Vogelgrippe-NEWS: Im Zuge der Bekämpfung der Vogelgrippe – was bedeutet Keulung?

 

Im Zuge der Bekämpfung der Vogelgrippe – was bedeutet Keulung?

Vogelgrippe sogar im Zoo –

 

In Hessen war ein Rosapelikan H5N8 positiv getestet worden, nachdem er verstorben war.
Die Testung aller anderen ca. 280 Vögel war negativ verlaufen. Wäre es nicht ein so wertvoller Vogel gewesen sondern nur ein einfaches Hühnchen,
hätte es vermutlich die Anweisung durch die Behörden gegeben, ALLE Tiere zu töten.

Das nennt man Keulung

Keine Gefährdung von Menschen
Es soll noch mal betont werden, dass es bislang keinen nachgewiesenen
Fall eines Übertrags des aktuellen Vogelgrippevirus H5N8 auf einen
Menschen gibt. Bis heute gibt es immer noch nicht einen Fall eines an
Vogelgrippe verstorbenen Menschen in Europa. Interessant könnte die
Frage sein, wieviele Tiere im Zuge der Seuchenbekämpfung sterben,
gegenüber der Anzahl der Tiere, die an der Krankheit selbst gestorben
wären. Die Maßnahmen, die im Falle des Auftretens einer
anzeigepflichtigen Tierseuche durchgeführt werden müssen, sind
gesetzlich geregelt im 45 Paragrafen umfassenden, sog.
Tiergesundheitsgesetz, das bis 2014 Tierseuchengesetz genannt wurde.
http://www.gesetze-im-internet.de/tiergesg/
Dazu zählt eben auch die Tötung der Tiere in einem geschlossenen
Bestand, selbst dann, wenn bei ihnen eine Infektion nicht nachgewiesen wurde

Im Rahmen der Tierseuchenbekämpfungsmaßnahmen wird die Tötungsmethode
also als „Keulung“ bezeichnet. Was hat das zu bedeuten?
Die Tötungsmethode Schlachtung bezeichnet die Tötung nach
vorausgegangener Betäubung durch Blutentzug. Im Ggs. dazu versucht man
die Keulung, also die Tötung der Tiere im Seuchenfall, so risikoarm
bezüglich Keimverschleppung und so kostengünstig wie möglich
durchzuführen. Dazu zählt, dass die Tiere nicht transportiert werden
dürfen, sondern vor Ort getötet werden müssen. Bekannter Maßen kann man
Tiere durch Schlag auf den Kopf oder in den Nacken betäuben, dass
geschieht heute noch in Kleinstbeständen mit Vögeln oder Kaninchen. Wenn
man gut trifft und der Schlag mit ausreichend Kraft geführt wird, ist
das eine relativ gute Methode, um den sofortigen Verlust des
Bewusstseins zu erreichen. Leider ist sie aber sehr fehleranfällig und
verursacht dann hochgradiges Leiden.
Erstens, weil die Auftreffenergie häufiger nicht hoch genug ist, der
Schlag also nicht mit der erforderlichen Kraft geführt wird und
zweitens, weil man nicht immer die richtige Stelle trifft. Ich selbst
habe dieses Problem während einer zweijährigen wissenschaftlichen
Hilfsarbeit im Namen der WHO erlebt. Jeden Tag mussten ca. 20 Mäuse für
die anschließende Untersuchung getötet werden. Die Mitarbeiterin schlug
im Schnitt 4 -5 auf jedes Mäuschen, bevor es betäubt war. Die Tiere
quieken sehr laut, winden sich in alle Richtungen und versuchen in die
Hand zu beißen, die sie am Schwanz hochhält. Vergleichbare Bilder kann
man z. T. auch in Schweineställen bei der Ferkeltötung sehen. Die
Betäubung der jungen Schweine ist bis zu einem Gewicht von 5 kg
offiziell per Schlag auf den Kopf erlaubt: sogar die TVT (Tierärztliche
Vereingigung für Tierschutz e. V.) propagiert sie immer noch (s. Anhang
nächste Mail). Dann kann man nur hoffen, dass wenigstens das Messer, das
danach die großen Blutgefäße am Hals durchschneiden soll, scharf ist.

Die Tiere werden im Seuchenfall aber nicht durch Blutentzug, sondern
durch Maßnahmen, die sonst nur zur Betäubung eingesetzt werden, zu Tode
gebracht. Früher hat man die Tiere tatsächlich mit Knüppen aus Holz,
also Keulen, erschlagen. Daher dieser bildliche Begriff. Heute wird
statt dessen gerne das Gas Kohlendioxid benutzt; den Aufbau einer
solchen transportablen CO² Begasungs-Anlage kann man hier sehen
http://abc-einsatzhandbuch.de/LinkedDocuments/06_30_2006_MK_SAAR_HINWEISE_GEFLUEGELKEULUNG_KOHLENDIOXID.pdf

Das Problem ist der dazu nötige Umgang mit den Tieren, der leider durch
nicht nimmer besonders sensible Hilfsarbeiter durchgeführt wird. Die
Tiere haben Erstickungspanik, wenn die Einleitung des Gases nicht in der
bekannten Umgebung und mit der genau vorgeschriebenen
Anflutungskonzentration durchgeführt wird. Ein Umstand, der im
Tiersuchenfall leider niemals gegeben ist.

Man könnte sich fragen, warum wird denn nicht gegen Vogelgrippe geimpft?
Menschen kann man doch auch impfen? Das ist generell eine Frage der
Kosten: wenn man bedenkt, dass der Landwirt akutell ca. 7 Cent Gewinn
mit einem Hähnchen macht, kann man sich vorstellen, wie eng kalkuliert
wird. Immer wieder gibt es Abwägungen dazu, so z. B. hier
http://www.agrarheute.com/news/schweinepest-impfen-bisher-sinnvoller-keulen

Es stimmt sehr nachdenklich, wenn in der Landwirtschaft das Töten und
Beseitigen von Tieren günstiger kommt, als das vorsorgliche Impfen. Das
ganze Szenario, das wir derzeit erleben, zahlt zu einem großen Teil der
Steuerzahler. Es gibt ein Gutachten „Wege zu einer gesellschaftlich
aktzeptierten Nutztierhaltung“ vom Wissenschaftlichen Beirat für
Agrarpolitik des Bundeslandwirtschaftsministeriums, in dem ein
Systemwandel in der Landwirtschaft gefordert wird.
http://www.bmel.de/DE/Ministerium/Organisation/Beiraete/_Texte/AgrBeirGutachtenNutztierhaltung.html

Die sinnlose Vergeudung von Lebensmitteln soll dadurch ebenfalls
reduziert werden. Wenn man bedenkt, dass wir die Hähnchen und Puten
völlig bedenkenlos verzehren könnten, nachdem wir sie auf über 80 Grad
erhitzt hätten…

 

 

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