Berlin – Neue Aufregung um die Wahlparty der Berliner Linken! Nachdem bereits der Auftritt des als Clan-Chef bekannten Issa Remmo für heftige Diskussionen gesorgt hatte, rückt nun ein weiterer Gast in den Mittelpunkt. Auf Fotos aus der Wahlnacht ist nach Angaben des gemeinnützigen Vereins democ der palästinensische Aktivist Ibrahim Ibrahim zu sehen – gemeinsam mit dem Linken-Bundestagsabgeordneten Ferat Koçak. Über den Vorgang hatte zunächst t-online berichtet. Das Foto verbreitete sich anschließend tausendfach in den sozialen Netzwerken und löste eine neue Debatte darüber aus, wer sich bei Veranstaltungen der Partei bewegt und welche politischen Verbindungen einzelne Gäste haben. Nach Darstellung von democ gilt Ibrahim als führender Unterstützer der „Volksfront zur Befreiung Palästinas“, kurz PFLP, in Deutschland. Zudem soll er in Berlin als Vertreter des „Vereinigten Palästinensischen Nationalkomitees“ aufgetreten sein. Die PFLP wird von der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten als Terrororganisation eingestuft. Besonders brisant sind Äußerungen, die democ Ibrahim zuschreibt: Demnach soll er den früheren Hamas-Führer Jahja Sinwar als „standhaften Führer“ und „Märtyrerhelden“ bezeichnet haben. Sinwar wurde im Jahr 2024 von israelischen Streitkräften getötet und galt als einer der führenden Verantwortlichen der Hamas im Gazastreifen. Israel wirft ihm eine maßgebliche Rolle bei Planung und Koordination des Terrorangriffs vom 7. Oktober 2023 vor, bei dem Hamas-Terroristen und weitere bewaffnete Gruppen Israel überfielen, Menschen ermordeten und Geiseln in den Gazastreifen verschleppten. Genau dieser Hintergrund macht die Bilder von der Berliner Wahlparty politisch besonders explosiv.
Mitten auf einem der verbreiteten Fotos steht auch Ferat Koçak. Der Linken-Politiker ist 47 Jahre alt, sitzt im Deutschen Bundestag und gewann bei der Bundestagswahl 2025 das Direktmandat im Wahlkreis Neukölln. Ibrahim war Berichten zufolge bereits zuvor bei Veranstaltungen der Neuköllner Linken aufgetreten. Nun taucht er erneut im Umfeld einer Wahlfeier der Partei auf – und das nur kurze Zeit, nachdem ein weiterer prominenter Gast für Schlagzeilen gesorgt hatte: Issa Remmo. Der 58-Jährige erschien bei Wahlpartys der Linken in Neukölln und Kreuzberg und ließ sich dort unter anderem mit Victory-Zeichen fotografieren. Gegenüber der „Berliner Morgenpost“ erklärte Remmo, die Berliner Linke sei „Juden gegenüber nicht feindlich eingestellt“. Außerdem sagte er, er fühle sich von der Linken in Deutschland erstmals unterstützt. Seine Anwesenheit löste unmittelbar politische Diskussionen aus. Die Partei versuchte anschließend, sich von dem Auftritt zu distanzieren. Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp, 45 Jahre alt, erklärte im ZDF, Remmo sei nicht eingeladen gewesen und wieder hinausgeschickt worden. Gleichzeitig betonte sie: „Mit organisierter Kriminalität haben wir nichts zu tun, die bekämpfen wir.“ Doch kaum war diese Debatte entbrannt, tauchten die nächsten Bilder aus derselben politischen Feierlandschaft auf. Wieder geht es um die Frage, wer dort anwesend war, wer mit wem fotografiert wurde und ob es sich lediglich um nicht eingeladene Besucher handelte oder ob einzelne Gäste bereits zuvor Kontakte in das Umfeld der Partei hatten.
Für die Berliner Linke entwickelt sich die Wahlparty damit zu einem politischen Nachspiel, das weit über die eigentliche Wahlnacht hinausreicht. Auf der einen Seite stehen Fotos, Berichte und die von democ erhobenen Vorwürfe gegen Ibrahim Ibrahim sowie dessen frühere öffentliche Auftritte. Auf der anderen Seite steht die Partei, die beim Fall Remmo ausdrücklich erklärt hat, dass dessen Anwesenheit nicht erwünscht gewesen sei und man organisierte Kriminalität bekämpfe. Beim Fall Ibrahim stellt sich nun erneut die Frage nach den Umständen seines Erscheinens auf der Feier und nach möglichen früheren Berührungspunkten mit Veranstaltungen der Neuköllner Linken. Besonders das gemeinsame Foto mit Ferat Koçak sorgt dafür, dass die Angelegenheit nicht als Randnotiz verschwindet. Ein Foto allein belegt dabei weder eine politische Zusammenarbeit noch eine Zustimmung zu den Positionen einer darauf abgebildeten Person. Dennoch sorgt die Kombination aus Ibrahim zugeschriebenen Äußerungen über Jahja Sinwar, Berichten über seine Unterstützung der PFLP, seiner Teilnahme an früheren Veranstaltungen und seinem erneuten Auftauchen auf einer Linken-Wahlparty für erheblichen Erklärungsdruck. Nach dem Wirbel um Issa Remmo steht die Berliner Linke damit erneut vor unangenehmen Fragen über Gäste, politische Abgrenzung und darüber, wie offen Wahlfeiern gestaltet werden. Aus einer Siegesfeier ist so binnen kürzester Zeit eine Debatte über Bilder, Kontakte und politische Verantwortung geworden – und die Fotos aus Berlin dürften die Partei noch eine Weile beschäftigen.
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