Polizeischutz beim eigenen Parteitag! Berliner Linke entscheidet über Eralps Weg ins Rote Rathaus

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Sie könnte die erste Regierende Bürgermeisterin der Linken in Berlin werden – und braucht ausgerechnet auf dem eigenen Parteitag Polizeischutz: Elif Eralp. Am Samstag entscheidet die Berliner Linke in Lichtenberg, ob sie mit Grünen und SPD in Koalitionsverhandlungen geht. Die Abstimmung ist für den Nachmittag gegen 15 Uhr angesetzt.

Wahlsieger Linke – jetzt geht es um die Macht

Bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am 20. September wurde die Linke mit 25,7 Prozent stärkste Kraft. Dahinter landeten CDU (18,8 Prozent), AfD (16,3 Prozent), Grüne (14,3 Prozent) und SPD (12,1 Prozent). Die bisherige Koalition aus CDU und SPD hat damit keine Mehrheit mehr.

Grüne und SPD haben dem Start von Koalitionsgesprächen bereits in der Vorwoche zugestimmt. Sagt nun auch die Linke Ja, sollen die Dreier-Verhandlungen schon am Montag beginnen. Beobachter erwarten auf dem außerordentlichen Landesparteitag eine klare Mehrheit, Eralp selbst gab sich im Radio „sehr sicher“.

Peinliche Panne mit dem „Spiegel“

Überschattet wird der Parteitag von einem Missgeschick in Eralps Büro. Ihr Team schickte einen Interviewtext an den „Spiegel“ zurück – versehentlich mitsamt interner Anmerkungen. Darin schreibt Eralp laut Bericht über ihren Mann und sich, dass beide Angst vor bestimmten Leuten hätten. Gemeint seien demnach Personen aus einem antisemitischen Milieu mit Kontakten zur Terrororganisation Hamas, darunter ein Hamas-Sympathisant, der im September auf einer Wahlparty der Linken in Neukölln aufgetaucht war.

Auf dem Parteitag ging Eralp darauf ein: Angst um die eigene Familie sei selbstverständlich, halte sie aber nicht davon ab, gegen Gewalt in Berlin vorzugehen.

Das „Schutzversprechen“

In ihrer rund 25-minütigen Rede gab Eralp den Berlinerinnen und Berlinern ein sogenanntes „Schutzversprechen“. Sie kündigte an, sich gegen Antisemitismus, Rassismus, organisierte Kriminalität und Gewaltverherrlichung zu stellen – unabhängig davon, von wo sie komme. Ihre Botschaft: Sie lasse sich nicht einschüchtern. Der Saal reagierte mit stehendem Applaus.

Zugleich sprach sie von einer „Angriffswelle“ gegen sich und ihre Partei und nannte dabei die Unionspolitiker Alexander Dobrindt, Friedrich Merz und Markus Söder. Kritik kommt auch von außen: Der Zentralrat der Juden bezeichnet Beteuerungen der Linken im Kampf gegen Antisemitismus als Lippenbekenntnis.

160.000 Wohnungen sollen vergesellschaftet werden

Grundlage der geplanten Verhandlungen ist ein Sondierungspapier, das die drei Parteien vor zwei Wochen vorgelegt haben. Der brisanteste Punkt: Rund 160.000 Wohnungen von fünf großen Konzernen sollen gegen Entschädigung in Gemeineigentum überführt werden – gestützt auf Artikel 15 des Grundgesetzes. Das wäre in Deutschland bislang einmalig. Betroffen wären Konzerne ab 5000 Wohnungen; die Linke hätte sich nach Eralps Worten eine Grenze von 3000 gewünscht.

Eralp lobte das Papier als Ergebnis mit „klarer linker Handschrift“. Es enthalte zudem ein klares Bekenntnis zum Schutz jüdischen Lebens und zum Kampf gegen Antisemitismus.

Protest aus den eigenen Reihen

Ganz geschlossen ist die Partei nicht. Kritische Stimmen kommen etwa aus der Linksjugend Solid. Vor dem Tagungsort protestierte eine kleine Gruppe linker Gegner einer Regierungsbeteiligung; unterstützt wurde der Demo-Aufruf unter anderem von der Bundesarbeitsgemeinschaft Palästinasolidarität in der Linken. Eralp nannte den Protest das „gute Recht“ der Demonstrierenden, betonte aber, aus den Berliner Bezirksverbänden habe niemand dazu aufgerufen.

Gelingt die Regierungsbildung, wäre Eralp die erste Linken-Politikerin an der Spitze des Roten Rathauses. Ob der Weg dorthin weitergeht, entscheiden die Delegierten am Nachmittag.

Stand: 31.10.2026, Samstagmittag – das Ergebnis der Abstimmung lag bei Redaktionsschluss noch nicht vor.

Quellen: BILD – Live-Ticker zum Linken-Parteitag, ZDFheute, Tagesspiegel, Deutschlandfunk, tagesschau.de/rbb24

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