In Frankreich, Belgien und Spanien gingen junge Menschen zuletzt massenhaft auf die Straße – teils mit heftigen Ausschreitungen. Heute, am 31. Oktober, ist der große Protesttag in Deutschland. Sicherheitsbehörden warnen seit Tagen: Extremisten könnten die Demos kapern. Die Organisatoren dagegen betonen, sie wollen nur eines – friedlich protestieren.
„Gen Z regelt“: Wer steckt dahinter?
Hinter dem Protesttag steht die Initiative „Gen Z regelt“, die sich selbst als überparteilichen Zusammenschluss junger Menschen beschreibt. In ihrem Positionspapier heißt es sinngemäß, der Funke aus Frankreich, Belgien und Spanien sei nach Deutschland übergesprungen; ein Slogan lautet „Streiken wie die Jugend in Frankreich“. Zugleich betont die Initiative, der Protest solle „ohne Ausnahme“ friedlich sein, und distanziert sich nach eigenen Angaben von jeder Art von Gewalt.
Die Forderungen laut Organisatoren: bessere Bildung und sanierte Schulen, kleinere Klassen, mehr soziale Sicherheit, bezahlbares Leben, mehr Mitbestimmung für junge Menschen, mehr Klimaschutz – und ein Nein zur Wiedereinführung der Wehrpflicht. Laut ZDF finden Demos in mehr als 30 Städten statt, Schwerpunkte sind unter anderem Berlin, Frankfurt, Köln und München.
Die Warnungen: „Apokalypse“-Flyer und Gewalt-Bilder
Bereits vor gut zehn Tagen berichtete BILD über Aufrufe in sozialen Netzwerken, die mit Bildern von Bränden und Zerstörung werben – teils KI-generierte Flyer mit Sprüchen wie „Apokalypse Vibez“. Laut BILD rufen manche Beiträge indirekt zu Gewalt auf; die Zeitung ordnet diese Aufrufe der linksradikalen Szene zu. Unterstützt werde der Protest von Dutzenden Gruppen, darunter laut BILD auch die Linksjugend Solid.
Auch die Behörden schauen genau hin. Laut Bundesinnenministerium beobachten Bund und Länder die Lage aufmerksam, der Verfassungsschutz hat die Beobachtung einschlägiger Kanäle verstärkt. Man unterscheide dabei aber zwischen friedlichen Schülerprotesten und einer gewaltbereiten Szene, die die Proteste womöglich ausnutzen wolle. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) warnte im ZDF vor einer Unterwanderung insbesondere durch Linksextremisten.
Polizei mit Großaufgebot
Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU) kündigte gegenüber BILD an, die Polizei werde stark aufgestellt sein und keinerlei Gewalt gegen Personen und Sachen dulden. In Frankfurt rechnet die Polizei laut FAZ bei der größeren von zwei Demonstrationen mit bis zu 9000 Teilnehmern. Die meisten wollen nach Polizeierkenntnissen friedlich demonstrieren, es gebe aber Hinweise auf rund 80 Personen aus dem linksextremen Spektrum. Spezialkräfte und Drohnen sind im Einsatz, Vermummung, Glasflaschen und Pyrotechnik sind verboten.
In Hamburg haben laut ZDF fast alle Luxusgeschäfte am Neuen Wall ihre Schaufenster vorsorglich mit Spanplatten verbarrikadiert.
Kritik: Junge Menschen unter Generalverdacht?
Nicht alle teilen die Alarmstimmung. Oppositionspolitiker warfen Dobrindt vor, junge Menschen unter Generalverdacht zu stellen. Eine Sprecherin von „Gen Z regelt“ sprach gegenüber dem Deutschlandfunk von einem medial aufgebauten „Gewaltnarrativ“, das von den eigentlichen Forderungen ablenke. Laut ZDF hält auch eine Forscherin die Warnungen vor Gewalt für überzogen.
Die Lage am Nachmittag
Zum Start der Demos am Samstagnachmittag berichtet das ZDF überwiegend von friedlicher Stimmung, etwa aus Leipzig und Köln. In Köln wurden laut ZDF-Reporter vereinzelt Bengalos gezündet. In Berlin übten Teilnehmende am Brandenburger Tor sogar ein „Probesitzen“: Sollte es zu Gewalt kommen, sollen sich alle hinsetzen. Ein Extremismusforscher berichtete aus München, dass neben vielen nicht-extremistischen Demonstranten auch Gruppen aus dem marxistisch-leninistischen Spektrum und Antifa-Organisationen vor Ort seien – es sei aber üblich, dass solche Gruppen versuchten, Proteste zu kapern.
Ob die Befürchtungen eintreten oder der Protesttag friedlich bleibt, wird sich im Laufe des Abends zeigen.
Stand: 31.10.2026, ca. 15:20 Uhr.
Quellen: BILD – „Extremisten wollen Frankreich-Krawalle zu uns holen!“ (20.10.2026), ZDFheute-Liveblog, FAZ – Gen-Z-Demos in Frankfurt, FAZ – Verfassungsschutz warnt, Rheinische Post
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