Angebot und Nachfrage: Berlins Fußballvereine müssen 5000 Kinder abweisen!

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Das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage ist in der Stadt allgegenwärtig. Der Berliner Fußball-Verband (BFV) schlägt Alarm. „Wir sprechen aktuell von rund 5000 Kindern, die nicht in die Vereine können. Die Vereine sind längst an ihrer Grenze der Kapazität angekommen, und das Problem wird sich in Zukunft nur verstärken“, sagt Gerd Liesegang, der Vizepräsident des BFV, der Berliner Morgenpost (Sonntag).

„Wir rechnen mit mehreren Tausend Menschen, die pro Jahr nach Berlin ziehen und dann auch Sport treiben wollen, aber gerade in der Innenstadt wurden viele Flächen verschenkt.“ Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg liegen mit der Zahl ihrer Sportplätze weit unter dem Orientierungswert des Senats. Dass Vereine ihren Trainingsplatz achteln, um die vielen Nachwuchsteams unterzukriegen, ist daher keine Seltenheit – und selbst diese Notlösung reicht nicht.

Gerd Thomas würde die Zahl der unversorgten Kinder sogar noch höher ansetzen. Als 1. Vorsitzender des FC Internationale in Schöneberg kennt er die Engpässe zur Genüge. Trotz 35 Jugendteams muss der Verein immer wieder Kinder abweisen. Entweder fehlt es an Platz oder an Trainern, schlimmstenfalls an beidem, weil die Perspektive für junge, ambitionierte Übungsleiter auf kleiner Fläche begrenzt ist. Mit Kopfschütteln beobachtet Thomas, wie am Südkreuz oder am Innsbrucker Platz Tausende neue Wohnungen entstehen, aber keine neuen Sportflächen geplant werden.

Die Probleme der einzelnen Vereine gleichen sich, die Lösungsansätze nicht unbedingt. Manch einer gibt sich genügsam und rückt auf engstem Raum zusammen. „Man muss mit dem leben, was da ist“, sagt Elias Bouziane, Jugendleiter von Viktoria Mitte. Andere, wie der SV Empor aus Prenzlauer Berg, bieten für all jene, die keinen Platz in den Spielbetriebs-Mannschaften finden, einmal pro Woche ein Freizeittraining an. Wieder andere setzen schon bei den jüngsten knallhart auf das Leistungsprinzip. Bei Askania Coepenick wird genommen, wer das meiste Talent hat. Was unterm Strich bleibt, ist Frust. „Der Andrang ist groß“, sagt Julien Fiebach aus der Jugendleitung von Berolina Mitte, „dem können wir nicht mehr in allen Altersklassen gerecht werden.“

Den Berliner Amateuren, einem Kreuzberger Traditionsklub, geht’s laut Jugendleiter Herbert Komnik nicht anders. Dass der Klub zusätzlich Flächen bekommt, ist unwahrscheinlich, allein schon wegen der Knappheit auf dem Wohnungsmarkt. Bei der Nachverdichtung sind freie Flächen in zentralen Lagen ein gefragtes Gut. Sportvereine haben hingegen oft genug mit Beschwerden von Anwohnern zu kämpfen, denen das Treiben auf den Plätzen zu laut ist. Wer es nicht mit dem Sport hält, wünscht sich mitunter Neubauten anstelle von Bolzplätzen, übersieht dabei aber die soziale Komponente des Sports.

Bei der Frage, wie viel Sportplätze sich Berlin leisten will, geht es schließlich um weit mehr als die Suche nach dem nächsten Jerome Boateng. Es geht um Orte, an denen man fürs Leben lernt, weil neben sauberem Passspiel auch Teamfähigkeit, Fairness, Durchhaltevermögen und vieles andere mehr vermittelt wird.

 

BERLINER MORGENPOST