Automobil-Skandal: Kartellverdacht gegen deutsche Automobilkonzerne!


Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld)

Bielefeld – Muss einem Volkswagen-Chef Matthias Müller jetzt leid tun? Da wirbt er scheinbar händeringend um mehr Sachlichkeit und Ausgewogenheit in der Diskussion um Dieselmotoren. Und da versucht er in Barcelona, durch eine bombastische Show bei der Einführung des neuen Audi A8 endlich mal wieder positiv von sich reden zu machen. Doch kaum zurück, braut sich über dem Volkswagen-Konzern ein Gewitter zusammen, das die bisherigen Unwetter noch in den Schatten stellen kann. Wenn das Kartellamt am Ende bestätigt, was am Freitag bekannt geworden ist, dann haben sich die Großen der deutschen Automobilindustrie – Daimler, BMW und VW mit Audi und Porsche – jahrelang in zig Arbeitskreisen abgesprochen. Hunderte von Mitarbeiter sollen daran beteiligt gewesen sein, selbst Technikdetails so zu regeln, dass alle sparen. Dem »Spiegel« zufolge, der nach eigenen Angaben Erkenntnisse über Selbstanzeigen von Volkswagen und Daimler besitzt, haben sich die Konzerne auch über Kosten und Lieferanten abgestimmt. In diesem Fall handelt es sich vermutlich um eines der größten Kartells in der neueren deutschen Wirtschaftsgeschichte. Um so bedauerlicher ist es, dass sich das Kartellamt inhaltlich so gar nicht äußern will. Richtig ist: Es handelt sich um ein »laufendes Verfahren«. Gleichwohl gibt es Situationen, wo Verschwiegenheit angesichts der möglichen Schadenshöhe für Aktionäre, Lieferanten, Kunden und Mitarbeiter fehl am Platze ist. Zu den Leidtragenden von Kartellabsprachen gehören die Kunden. Der Schaden, den ihre Klagen möglicherweise hervorrufen, könnte die Kartellstrafe weit übertreffen. Ob Zulieferer ihr Klagerecht wahrnehmen, ist zu bezweifeln. Aber sie werden versuchen, dieses Faustpfand bei den Verhandlungen mit den Herstellern einzubringen. Nur die Umwelt, die durch die Absprachen bei der Dieseltechnologie gegebenenfalls besonders litt, besitzt kein Klagerecht. Der größte Langzeitschaden droht der deutschen Autoindustrie, wenn ihr Ruf weiter Schaden nimmt. Gerade Fahrzeuge in der Luxusklasse werden auch über Image verkauft. Das Ausmaß dieses Schadens ist kaum zu prognostizieren. Klar ist aber, dass Riesenspektakel wie das für den neuen A8 nicht ausreichen werden, um ihn wieder glatt zu bügeln. Matthias Müller muss einem nicht leid tun. Er war, bevor er 2015 Martin Winterkorn an der Konzernspitze ablöste, stets in Ingolstadt oder Wolfsburg in leitender Stellung. Was er wusste und wovon Politiker – insbesondere jene, die bei VW im Aufsichtsrat sitzen, Kenntnis hatten – wird allerdings erst in der zweiten Runde geklärt werden können. Zunächst geht es darum, ob die Kartellvorwürfe insgesamt stimmen. Wenn ja, dann haben angesichts der Bedeutung der Industrie für die deutsche Wirtschaft nicht nur die Autohersteller ein großes Problem.

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