Bekannter Heidelberger Psychotherapeut soll Patientinnen missbraucht haben – und äußert sich in der ZEIT

Quelle: "obs/DIE ZEIT"
Quelle: „obs/DIE ZEIT“

 

Der renommierte Heidelberger Arzt und Psychotherapeut Hermann F., 86, äußert sich gegenüber der Wochenzeitung DIE ZEIT erstmals zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen, er habe Patientinnen und Auszubildende sexuell missbraucht. Während einer Therapie entstehe große Nähe, „dadurch dass einem alles erzählt wird“. Da sei es fast zwangsläufig, dass man sich auch persönlich näher komme. Außerdem seien Affären mit Patientinnen über viele Jahre als „Kavaliersdelikt“ betrachtet worden, so F., der von 1975 bis 1993 das Heidelberger Institut für analytische Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie leitete.

Zu den Grundregeln der Psychotherapie gehört, dass es zu keinerlei körperlichen Beziehungen zwischen Arzt und Patient kommen darf. Frühere Kollegen erfuhren von zahlreichen Grenzverletzungen durch Hermann F. und äußern sich in der aktuellen ZEIT. So wird F. unter anderem vorgeworfen, Jungen in seinem Behandlungszimmer zum Onanieren aufgefordert zu haben.

Erst im vergangenen Jahr war F. vom Landgericht Heidelberg zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden: Er hatte seine Enkeltochter in elf Fällen im Intimbereich angefasst. Im Gespräch mit der ZEIT bezeichnet F. dieses Verhalten als „liebevoll“. Schuld empfinde er nicht, nur Scham.

Die zahlreichen sexuellen Verhältnisse zu Schutzbefohlenen, die F. im Rahmen seiner therapeutischen Arbeit knüpfte, wurden strafrechtlich bisher nicht verfolgt.