„Demütigendes Frauenbild“: Ärztin Kristina Hänel kämpft weiter gegen Paragraf 219a!

Paragraf 219a

 

Seit einem Jahr kämpft die Allgemeinärztin Kristina Hänel gegen ein Gerichtsurteil, das am 22. Dezember 2017 vom Amtsgericht Gießen gegen sie ausgesprochen wurde. Ihr Vergehen: Auf der Internetseite ihrer Praxis findet sich unter dem Stichwort „Frauengesundheit“ auch der Hinweis „Schwangerschaftsabbruch“. Das sei „Werbung“ lautete das Urteil. Nach Paragraf 219a des Strafgesetzbuches ist es Ärzten verboten, Abbrüche öffentlich anzubieten.

Vor wenigen Wochen wurde der Schuldspruch gegen Hänel in höherer Instanz bestätigt. Aber sie will weiterkämpfen. Das Gesetz müsse abgeschafft oder geändert werden, sagte sie gegenüber dem stern. Angezeigt wurde Hänel von radikalen Abtreibungsgegnern, und diese, so Hänel, würden sich andernfalls auch in Zukunft wieder auf den Paragrafen berufen. „Frauen dürfen sich in Deutschland dazu entscheiden, die Schwangerschaft abzubrechen. Das haben wir Ärzte nicht erfunden, das ist in Paragraf 218 StGB so geregelt“, so Hänel. „Und wenn eine Frau so entscheidet, muss sie sichere medizinische Versorgung und Informationen finden.“

Ärzte, die Abbrüche durchführen, dürfen diese Informationen aber nicht mitteilen, da eine Abtreibung nicht als normale medizinische Behandlung verharmlost werden soll. Für Kristina Hänel, die seit 30 Jahren als Ärztin arbeitet, geht diese Sichtweise an der Realität der Frauen vorbei. „Frauen geraten in diese Lage. Und es steckt eigentlich immer eine Notsituation dahinter. Keine hat das gewollt, aber es gibt dann eben auch keine andere Lösung, der Entschluss steht fest und die Frauen brauchen Unterstützung.“ Zwar gibt es in ganz Deutschland Beratungsstellen, aber in manchen Gebieten sei es für ungewollt Schwangere dennoch schwierig, die Adresse eines Arztes zu finden. Und da die durchführenden Ärzte die Behandlung nicht ankündigen dürfen, bleibe den Frauen nichts anderes übrig, als herumzutelefonieren.

Das Gesetz solle dazu dienen, Frauen vor sich selbst zu schützen, da man offenbar davon ausgehe, dass Schwangere durch ihre hormonelle Situation nicht in der Lage seien, frei zu entscheiden, so Hänel. „Das ist ein demütigendes Frauenbild.“

Quelle: stern