Die Radikalinnen! Zwei Linke und ihr Traum von der Revolution

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Zwei Frauen, eine Partei, ein großes Ziel: In einem ausführlichen Meinungsstück nimmt sich BILD die Linken-Bundesvorsitzende Ines Schwerdtner und die Berliner Wahlsiegerin Elif Eralp vor. Das Urteil des Blattes fällt hart aus – BILD sieht in den beiden die Speerspitze einer „roten Welle“. Wir haben Fakten und Meinung auseinandergehalten.

Hinweis: Der Text, auf den wir uns beziehen, ist eine Betrachtung (Meinungsbeitrag) von BILD-Autor Peter Tiede. Wertungen darin geben die Sicht von BILD wieder, nicht gesicherte Tatsachen.

Die Fakten: Wer sind die beiden?

Ines Schwerdtner (37) führt die Linke auf Bundesebene. Sie wurde laut BILD 1989 in Werdau (Sachsen) geboren und wuchs in Hamburg auf. Elif Eralp (45), geboren 1981 in München, ist Juristin und Spitzenkandidatin der Berliner Linken. Ihre Eltern flohen laut BILD vor der Militärdiktatur in der Türkei.

Bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl am 20. September wurde die Linke mit 25,7 Prozent stärkste Kraft – nach 12,2 Prozent bei der Wahl 2023. Die Zahl der Mitglieder in Berlin stieg laut BILD von 7178 Ende 2023 auf rund 20.000 ein Jahr später. Bundesweit sieht BILD die Partei derzeit bei zehn bis elf Prozent. Am Samstag stimmte der Berliner Landesparteitag laut BILD für die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen mit Grünen und SPD. Gelingt das Bündnis, könnte Eralp Regierende Bürgermeisterin werden.

Die Zitate, auf die sich BILD stützt

BILD führt mehrere Aussagen Schwerdtners an: Kuba habe sie jüngst auf einer Solidaritätskonferenz als „eine Inspiration“ bezeichnet. Zudem zitiert das Blatt den Satz: „Wer die Verfassung schützen will, muss den Kapitalismus überwinden.“ Zu den Protesten in Frankreich soll sie gesagt haben, der Funke sei übergesprungen; Frankreich zeige, wie Widerstand gehe. In einer Videokonferenz mit dem Studierendenverband SDS habe sie den Aktiven laut BILD zugesagt, sich schützend vor sie zu stellen – egal, ob sie von Polizisten oder Medien angegriffen würden. Milliardäre wolle sie nach BILD-Darstellung „abschaffen“.

Die Meinung: So urteilt BILD

Aus diesen Aussagen leitet BILD ein düsteres Bild ab. Beide Frauen verbinde, so BILD, ein gemeinsamer Traum von einer anderen Gesellschaft und Wirtschaftsordnung. Das Blatt schreibt ihnen den Wunsch nach einer Art Revolution zu und stellt Schwerdtner als „Theorie“ und Eralp als „Praxis“ dar – Berlin sei aus Sicht des Autors „nur der Anfang“. Der Staat mit seinem Gewaltmonopol und die freie Presse seien für Schwerdtner ein Feindbild, kommentiert BILD.

Gegenüber Eralp erhebt der Beitrag zudem Vorwürfe zum Umfeld ihrer Partei: BILD verweist auf umstrittene Gäste bei einer Linken-Wahlparty und auf Antisemitismusvorwürfe gegen einzelne Berliner Linke. Die Partei habe sich zu einem Sammelbecken radikaler Milieus entwickelt, meint BILD – und beruft sich auf Sicherheitsexperten, die vor einer Unterwanderung warnten. Eralp selbst wies Vorwürfe über Clan- und Islamistenverbindungen laut BILD öffentlich als Kampagne rechter Medien und Politiker zurück.

Die andere Seite

Zur Einordnung gehört: Eralp hatte auf dem Parteitag ein „Schutzversprechen“ an alle Berlinerinnen und Berliner abgegeben und angekündigt, sich gegen Antisemitismus, Rassismus und organisierte Kriminalität zu stellen. Auch das Sondierungspapier mit SPD und Grünen enthält nach ihren Worten ein klares Bekenntnis zum Kampf gegen Antisemitismus. Ob die Linke ein „Sammelbecken“ ist, wie BILD meint, oder eine Partei im Aufwind mit vielen neuen jungen Mitgliedern, ist am Ende eine Frage der politischen Bewertung.

Kommentar: Dass eine Partei ihre Mitgliederzahl in einem Jahr fast verdreifacht, ist ein Fakt. Ob daraus eine „Revolution“ wird, entscheidet nicht ein Zeitungskommentar, sondern am Ende die Koalitionsverhandlungen – und die Berliner Verwaltung, an der schon ganz andere Umsturzpläne gescheitert sind.

Quellen: BILD – „Die Radikalinnen! Zwei Linke und ihr Traum von der Revolution“ (Betrachtung von Peter Tiede, 01.11.2026), ZDFheute, Tagesspiegel

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