#Droht nach #Facebook auch den #Verlagen ein #Datenskandal? Wie der #Werbemarkt Leser von #Spiegel Online und Co im #Netz #verfolgt

Der journalist hat recherchiert

Das Problem sind Drittanbieter-Cookies!

 

 

Wie verantwortungsvoll gehen deutsche Verlage mit den Daten ihrer Onlineleser um? Das Medienmagazin journalist hat in einer Analyse untersucht, wie der Werbemarkt die Leser deutscher Verlagsangebote durch das Netz verfolgt. Dies geschieht über sogenannte Drittanbieter-Cookies. Das Ergebnis der journalist-Analyse ist alarmierend: Bei dem beispielhaften Besuch der Seiten Spiegel Online, Bild.de und Zeit Online konnte der journalist die Verbindung zu 154 Drittanbietern belegen, die per Cookie schon nach einem einmaligen Besuch im Hintergrund aufgebaut werden.

Die Europäische Union versucht derzeit, dem Cookie-Wahn Schranken zu setzen. Der erste Teil dafür tritt am 25. Mai mit der neuen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) in Kraft. Allerdings fehlt eine wichtige weitere Regelung: die E-Privacy-Verordnung. Um diese tobt derzeit in Brüssel eine heftige Lobbyschlacht. Es geht um die Frage: Wann muss ein Nutzer einwilligen, dass er durchs Netz verfolgt wird.

Viele Verlage sind derzeit verunsichert: Die DSGVO setzt in Sachen Tracking einen recht weiten Rahmen. Ohne die E-Privacy-Verordnung bleibt unklar, wann genau Verlage ihre Onlineleser informieren müssen, wie viel Tracking künftig noch erlaubt ist.

Dabei sind Cookies nicht per se schlecht. Cookies werden beispielsweise eingesetzt, um Inhalte korrekt ausspielen zu können oder Website-Statistiken zu erheben. Problematisch bei dem Angebot der Verlage ist die personalisierte Werbung, die anhand von Nutzerdaten aus den Drittanbieter-Cookies ausgespielt wird. Denn über diese Cookies gelangen Leserdaten der Verlage in die Hände von Dritten. Hinter der personalisierten Werbung steht ein weltumspannender, bislang kaum regulierter Marktplatz, der vom Sammeln und Tauschen von Nutzerprofilen lebt.

In der Fachsprache heißt das Programmatic Advertising. Im Kern geht es darum, dass Werbeplätze weltweit in Sekundenschnelle über Auktionskanäle versteigert werden. Algorithmen suchen dabei nach aktiven Nutzerprofilen, die zur Zielgruppe passen, und bieten um die Werbeplätze. Größter Anbieter: DoubleClick von Google. Aber auch etliche weitere Drittfirmen sind mit dem Tracken, Auswerten und Zusammenführen von Nutzerdaten beschäftigt. Die Verlage sorgen über den Zugriff der Drittanbieter-Cookies dafür, dass der Werbemarkt die Leser von Spiegel Online und Co massiv stalken kann. Und das über einzelne Verlagsangebote hinaus. Die journalist-Analyse legt die Verbindungen zu Drittanbietern offen. Dazu gehören nicht nur Webgiganten wie Google, sondern auch Firmen wie Criteo (eines des führenden Unternehmen im Retargeting) oder Emetriq (ein Spezialist für datengetriebene Werbung).

Niemand kann sagen, was die Dutzenden von Drittanbietern mit den Onlineleserdaten der Verlage tatsächlich machen. Klar ist, über Cookies lassen sich IP-Adressen von Nutzern, genauer Aufenthaltsort und Identifikationsnummern zuordnen. Und aufgrund der Zusammenführung unterschiedlicher Online- wie Offline-Datensätze lassen sich diese Informationen zum Beispiel mit Suchanfragen, Telefonnummern oder sogar Kreditkarteninformationen verschmelzen. Es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, bis hier ein neuer Datenskandal an die Öffentlichkeit gelangt.

Bei aller Unsicherheit über das, was die DSGVO bringen wird, scheinen sich deutsche Verlagsmanager über eines einig: Das Tracking für Programmatic Advertising geht auch nach dem Inkrafttreten der neuen Datenschutzgrundverordnung am 25. Mai weiter.

Die detaillierte Analyse von journalist-Datenspezialist Marvin Milatz lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des Medienmagazins journalist, die gerade erschienen ist.

 

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