Justiz versagt: Experten empört über erneute Einstellung von Verfahren wegen Tierschutzskandal in Niedersachsen!

 

Lebendig entsorgte Küken: Vor wenigen Monaten deckte Animal Equality in Hähnchenmastbetrieben in Niedersachsen schockierendes Tierleid auf. Doch die Behörden sehen keinen Anlass, die mutmaßlichen Straftaten zu verfolgen. Rechtsexperten und Tierschutzbeauftragte reagieren empört.

Berlin, 16. Oktober 2017. In drei niedersächsischen Großbetrieben der Geflügelindustrie dokumentierten Ermittler der Tierschutzorganisation Animal Equality im Mai und Juni 2017 erschreckende Zustände. In den Betrieben, von welchen einer an den Marktriesen Wiesenhof, ein anderer an Rothkötter liefert, wurden Tiere regelmäßig lebendig entsorgt. Experten aus Recht und Veterinärmedizin beurteilen die dokumentierten Praktiken als mutmaßliche Straftaten. Dennoch hat die zuständige Staatsanwaltschaft Oldenburg alle drei Verfahren wegen mutmaßlicher Straftaten eingestellt. In Zusammenarbeit mit Dr. Christoph Maisack, Richter am Amtsgericht und Erster Vorsitzender der deutschen Juristischen Gesellschaft für Tierschutzrecht (DJGT) e. V., hat Animal Equality Beschwerde gegen die Verfahrenseinstellungen eingelegt.
 
„Der Umgang mit den Tieren ist brutal und verstößt in mehreren Punkten gravierend gegen das Tierschutzgesetz und die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung”, so Dr. Christoph Maisack. „Es ist empörend, dass die zuständige Staatsanwaltschaft die Vorfälle nicht strafrechtlich verfolgt. Außerdem herrscht bei den zuständigen Behörden anscheinend in bestürzendem Ausmaß Unkenntnis über Tierschutz-Vorschriften.”
 
Wie die Aufnahmen aus dem Wiesenhof- und dem Rothkötter-Zulieferer dokumentieren, wurden die eingesammelten Küken in den Eimern minutenlang unter ihren toten Artgenossen erstickt. Besonders schockierten Aufnahmen aus einem dritten Betrieb, die zeigen, wie ein Arbeiter mit einer Schaufel auf ein Küken einschlägt. Anschließend überließ er das Tier im Müllcontainer seinen schweren Verletzungen, wo es 12 Stunden später von Ermittlern von Animal Equality gefunden wurde.

 

https://www.flickr.com/photos/animalequalityde/35340722755/in/album-72157682225825843/
https://www.flickr.com/photos/animalequalityde/35340722755/in/album-72157682225825843/

Kritik an der Justiz übt auch die niedersächsische Landesbeauftragte für Tierschutz, Michaela Dämmrich: „Den Hähnchen wurden erhebliche langandauernde Schmerzen und Leid zugefügt, bis langsam der Tod eintrat. Die Einstellung des Verfahrens durch die Staatsanwaltschaft ohne Ermittlungen eingeleitet zu haben, kann ich nicht nachvollziehen.”

 

Undercover-Recherchen von Tierschützern bringen regelmäßig skandalöse Zustände in der Massentierhaltung ans Licht. Dennoch haben die Anzeigen wegen Tierquälerei selten Konsequenzen. „Diese Zurückhaltung durch das deutsche Rechtssystem bei Verstößen gegen das Tierschutzgesetz ist kein Einzelfall“, bestätigt Dr. Christoph Maisack – „vor allem dann nicht, wenn sich diese Fälle in der Nutztierindustrie ereignen.“
 
Neben der Beschwerde setzt sich Animal Equality weiterhin mit einer Kampagne gegen die systematische Tierqual in der Hähnchenmast ein. Bereits Ende Juni 2017 waren mehr als 66.000 Unterschriften an den niedersächsischen Landwirtschaftsminister Christian Meyer übergeben worden: Die Menschen fordern, dass Politik und Behörden vehement gegen das Tierleid in der Massentierhaltung vorgehen.

 

Animal Equality
Animal Equality ist eine internationale Organisation, die gemeinsam mit Gesellschaft, Politik und Unternehmen daran arbeitet, Grausamkeit in der Massentierhaltung zu beenden. Neben Deutschland ist Animal Equality in Großbritannien, den USA, Italien, Spanien, Mexiko, Indien und Brasilien aktiv. Bereits zum dritten Mal in Folge wurde Animal Equality als eine der wirkungsvollsten Organisationen der Welt ausgezeichnet.

 

 

 

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