Klimaschutz: Experte Schellnhuber wirft Bundesregierung beim Klimaschutz Untätigkeit vor

 

Klimaschutz – Experte Schellnhuber fordert mehr Ehrgeiz beim Klimaschutz

„In Deutschland erschreckende Kluft zwischen Reden und Handeln“ – Forscher sieht nach Protest im Hambacher Forst wachsenden Druck

Osnabrück. Klimaexperte Hans Joachim Schellnhuber hat der Bundesregierung angesichts der jüngsten Studie des Weltklimarates Untätigkeit vorgeworfen. „Wir brauchen nicht immer ehrgeizigere Klimaziele in der Zukunft, sondern endlich ehrgeizige Maßnahmen zu deren Erreichung jetzt!“, sagte Schellnhuber im Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. In Deutschland gebe es beim Klimathema „eine erschreckende Kluft zwischen Reden und Handeln“, sagte der frühere Leiter des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK). Die Bundesregierung mache „das Problem leider immer größer“.

Durch die Proteste gegen die Rodung des Hambacher Forstes sieht Schellnhuber, der in der Kohlekommission der Bundesregierung sitzt, den Druck auf die Politik gewachsen: „Die Auseinandersetzung um den Braunkohletagebau zeigt, dass hier gesellschaftlich etwas Großes in Bewegung geraten ist. Deutschland kann auf diesen Brennstoff innerhalb weniger Jahre verzichten – das würde für unser Klima richtig viel bringen, denn die Braunkohle ist der emissionsintensivste, manche sagen: der schmutzigste, Brennstoff von allen“, erklärte Schellnhuber. Deswegen müsse die Regierung nun gemeinsam mit der Kohlekommission „einen geordneten Ausstieg aus dem fossilen Zeitalter organisieren“, forderte er.

Die Bundesregierung trage auch internationale Verantwortung, erklärte der Experte. „Natürlich kann Deutschland nicht im Alleingang das Weltklima retten, aber die Welt schaut sehr genau hin, wie wir als technologiestarke Industrienation die Energiewende in den Griff kriegen – oder scheitern. Global müssen wir vor noch 2030 die Emissionswende schaffen und 2050 unter dem Strich emissionsfrei sein, wenn wir die größten Klimarisiken noch vermeiden wollen“, so Schellnhuber.

 

Neue Osnabrücker Zeitung