„Polizeipressestellen mauern, Rathäuser verweigern Antworten“: Wie frei ist die deutsche Presse?

Pressereport

„Pressefreiheit in Deutschland? Eine Selbstverständlichkeit!“ Wer so denkt, hat die Probleme übersehen. Denn die Pressefreiheit wird nicht nur von Diktatoren und Zensur bedroht. Es gibt unterschiedlichste Mechanismen, die Journalistinnen und Journalisten dazu bringen können, nicht das zu schreiben, was sie denken. Gerade für Lokalzeitungen gibt es das Problem von Nähe und Distanz. Wer schreibt einen kritischen Kommentar über einen wichtigen Anzeigenkunden? Wer kritisiert im Ernstfall gerne den Bürgermeister, den man schon seit Jahren kennt und schätzen gelernt hat? Die drehscheibe, das Magazin für Lokaljournalisten der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb, wollte anlässlich des Tags der Pressefreiheit am 3. Mai von Chefredakteuren und Redaktionsleitern von Lokalzeitungen wissen, wie es um die Pressefreiheit im Lokaljournalismus wirklich bestellt ist.

Stefan Lutz, Chefredakteur des Südkuriers aus Konstanz, etwa sagt: „Polizeipressestellen mauern, Rathäuser verweigern trotz Auskunftspflicht Antworten, Landratsämter verschweigen wichtige Zahlen.“ Lutz betont: „Ich empfinde das als aktive Behinderung der Arbeit der freien Presse.“

Sabine Schicketanz, Chefredakteurin der Potsdamer Neuesten Nachrichten, verweist auf die wirtschaftlichen Zwänge: „Nähe, wirtschaftlicher oder sozialer Druck, falsch interpretierter Lokalpatriotismus, die Geringschätzung des lokalen Mediums, das ’so etwas gar nicht berichten darf‘, Drohungen mit Abo-Kündigungen und Anzeigen-Stornierungen: Es gibt stetig Szenarien, die es erfordern, Pressefreiheit im Lokaljournalismus ganz praktisch und in demokratischer Graswurzelarbeit durchzusetzen.“

Hier geht es zu allen Statements: www.bit.ly/drehscheibe-pressefreiheit

Unter anderem mit Beiträgen von Michael Seidel (Schweriner Volkszeitung), Heike Groll (Volksstimme), Uwe Röndigs (Zeitungsgruppe Lahn-Dill)