Tierschutz-Skandal in Berlin: Tierärzte stimmen gegen Betäubung bei der Ferkel-Kastration!

 

 

Der größte tierärztliche Verein, der bpt/ Bundesverband praktizierender Tierärzte, spricht sich gegen Tierschutz aus: am 26. und 27. November hat sich der bpt in Berlin für die Fortsetzung der Kastration der Schweine OHNE Betäubung o.ä. ausgesprochen. Vertreten wurde der Tierärzteverband durch Herrn Dr. P., der für seine Nähe zur Landwirtschaft bekannt ist. Auf Veranstaltungen kann man ihn in zusammen mit dem Bundestagsabgeordneten Johannes Röhring https://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2016/tierschutz248_page-2.html in trauter Einigkeit beobachten.

Auf dem Deutschen Tierärztetag 2018 in Dresden hat Dr. P. heimlich vorbereitete Papiere im Sinne der Landwirtschaft als angebliche Arbeitsergebnisse des Arbeitskreises Nutztiere der Versammlung untergeschoben. Darin kamen kritische Ergebnisse aus der zuvor geführten Diskussion des Arbeitskreises nicht mehr vor. 

Normale Tierärztinnen und Tierärzte äußern sich eindeutig gegen die tierquälerische Methode, den kleinen Schweinen die Hoden und Schwänze ohne Narkose abzuschneiden. 

Ob der bpt mit seiner tierschutzfeindlichen Stellungnahme, ganz im Sinne der GroKo und damit des Deutschen Bauernverbandes, seine Nähe zur Landwirtschaft mit tierquälerischen Praktiken in der Massentierhaltung einen politischen Bogen innerhalb der Tierärzteschaft überspannt hat, wird sich zeigen. Erste Austritte von Kleintierpraktikern sollen bereits in der Geschäftsstelle eingegangen sein….

 

Hier Ausschnitt einer Rede des Präsidenten des bpt auf der Eurotier 2018 in Hannover…

Rede Moder Eurotier/Delegiertensitzung 15.11.2018

Meine Damen und Herren, Kleintierpraktiker und Nutztierpraktiker sind Mitglied in unserem Verband. Beide Gruppen gehören dazu, für beide Gruppen sind wir da. Auch das sage ich so deutlich, weil ich das Gefühl habe, dass wir uns bei der Diskussion um die Ferkelkastration gerade deutlich auseinander bewegen, statt aufeinander zu. Das macht mir als Präsident Sorgen. Denn als bpt sind wir nur dann politisch stark, wenn Geflügel-, Schweine-, Rinder-, Kleintier- und Pferdepraktiker an einem Strang ziehen. In unserem Verband kann natürlich jeder seine Meinung sagen. Ich akzeptiere auch, dass es in unserem Verband Stimmen gibt, die sagen, dass man die betäubungslose Ferkelkastration aus Tierschutzgründen sofort beenden muss. Und ich stimme mit allen überein, die sagen, dass Landwirte Betäubungsmittel nicht selbst anwenden sollen. Betäubungsmittel gehören ausschließlich in Tierarzthand. Ganz meine Meinung! 

Aber. Wir vertreten auch die Interessen der Schweinpraktiker. Das bedeutet, dass wir uns als bpt im konkreten Fall der Ferkelkastration dafür einsetzen, dass 

1. die Sauenhaltung in Deutschland erhalten bleibt. Das ist kein Landwirtschaftslobbyismus, nein, das ist Interessenvertretung für unsere Schweinepraktiker. 7

2. die Schweinepraktiker in der Lage sein müssen, politische Vorgaben personell und rechtssicher umzusetzen. Schauen wir uns die politischen Realitäten Stand heuteSchauen wir uns die politischen Realitäten Stand heute am 15. November 2018 einmal genauer an: 1. Eine Mehrheit im Deutschen Bundestag will die Frist zur Beendigung der betäubungslosen Ferkelkastration um zwei Jahre auf Ende 2020 verschieben. Das ist jetzt Fakt, da brauchen wir uns nicht weiter daran abarbeiten. 2. Die Betäubung mit Isofluran soll zukünftig auch vom Landwirt selbst gemacht werden können. Natürlich werden wir dagegen weiter ankämpfen, weil das fachlich eine fragwürdige Entscheidung ist. Aber mit welchen Argumenten wollen wir dagegen kämpfen? So leid es mir tut das sagen zu müssen, aber dass der Betäubungsmittelvorbehalt für Isofluran jetzt aufgemacht wird, das ist, meine Damen und Herren, auch die klare Retourkutsche für eine kategorische Ablehnungspolitik gegenüber der Lokalanästhesie. Als bpt haben und werden wir uns auch weiterhin offen zeigen für alle in Frage kommenden Verfahren. Und zwar nicht nur weil wir das so in unserer Mitgliederversammlung 2016 beschlossen haben, sondern auch weil das politisch klug ist. 

3. Nach wie vor laufen wissenschaftliche Studien, mit denen hoffentlich bald eine Vergleichsbasis für die verschiedenen Verfahren geschaffen werden kann. Wir sind doch ein wissenschaftlicher Beruf, warum warten wir diese Ergebnisse nicht einfach ab? Warum wollen wir uns schon jetzt auf das eine oder andere Verfahren festlegen? 

4. Es gibt keine, zumindest mir nicht bekannte, Folgenabschätzung, welches der im Moment diskutierten Verfahren unter Tierschutzaspekten am besten geeignet ist. Ob die von einigen Tierärzteverbänden im Verbund mit Tierschutzverbänden und den Grünen propagierte Immunokastration bei Berücksichtigung aller Tierschutzaspekte dann immer noch erste Wahl ist, dahinter mache ich ein Fragezeichen. Denn Immunokastration bedeutet Ebermast, und Ebermast geht mit allseits bekannten Verletzungsproblemen einher. Immunokastration bedeutet aber auch Eingriff in Vermarktungsketten, was unweigerlich dazu führt, dass deutscher Mäster ihre Ferkel aus Dänemark und Holland importieren werden, wo entweder mit CO2 betäubt oder unter Lokalanästhesie kastriert wird. Und hinzu kommen dann auch noch lange Transportwege für die Ferkel. Ob die Immunokastration einer solchen umfassenden Tierschutzbilanz standhält? Ich bin da skeptisch, zumal da draußen doch auch jeder weiß, dass die Tierärzte an der Immunokastration am meisten verdienen.

am 15. November 2018 einmal genauer an: 1. Eine Mehrheit im Deutschen Bundestag will die Frist zur Beendigung der betäubungslosen Ferkelkastration um zwei Jahre auf Ende 2020 verschieben. Das ist jetzt Fakt, da ch jeder weiß, dass die Tierärzte an der Immunokastration am meisten verdienen. Vor diesem Hintergrund ist mein Vorstoß von Anfang Oktober für einen Nationalen Improvac-Gipfel zu verstehen. Meine Intention war, und dafür werde ich mich auch weiterhin stark machen, dass endlich einmal über alle Aspekte der Immunokastration diskutiert wird. Es reicht eben nicht aus, nur über die Betäubung im engeren Sinne zu sprechen. Gerade wir als Tierärzte, die wir immer wieder von uns behaupten, dass wir einen weiteren Blick auf die Probleme der Nutztierhaltung haben, gerade wir müssen doch auch die mit der Immunokastration verbundenen Tierschutz- und Vermarktungsfragen ansprechen. Oder sehe ich das falsch? Noch eine abschließende Bemerkung zu diesem Thema. Es ist richtig, wir waren bei dieser Diskussion nicht die Lautesten. Wir haben uns in den Medien, vor allem in den Fachmedien, nur wenig bis gar nicht zu dem Thema geäußert. Was hätte es gebracht. Doch wohl nur, dass der Riss innerhalb der Tierärzteschaft noch deutlicher sichtbar geworden wäre. Das wollten wir nicht. Wir haben uns deshalb mehr auf den politischen Bereich konzentriert. Fragen Sie dazu gerne die Damen und Herren aus den Regierungsfraktionen von CDU/CSU und SPD, oder Morgen Abend den Vorsitzenden des Agrarausschusses, der an unserer Podiumsdiskussion zur Ferkelkastration teilnimmt. Für die Politik ist der bpt nicht nur der erste, sondern in den meisten Fällen sogar der einzige Ansprechpartner in dieser Frage! Meine Damen und Herren, nicht von ungefähr ist der bpt der einzige tierärztliche Verband, der bei der öffentlichen Anhörung am 26. November als Experte geladen ist. Bei aller berechtigten Kritik, aber so viel können wir hier nicht falsch gemacht haben! Meine Damen und Herren, die Diskussionen rund um das Schwein werden uns mit Sicherheit noch einige Zeit erhalten bleiben. Nach der Ferkelkastration stehen schon die nächsten Debatten zum Kastenstand und zum Schwanzbeißen an. Ich freue mich Ihnen vor diesem Hintergrund mitteilen zu können, dass unser Präsidiumsmitglied, Dr. A. P., auf Vorschlag der FVE in die Expertengruppen „Tierwohl beim Schwein“ berufen wurde. Diese Expertengruppen ist das zentrale Beratungsgremium der EU-Kommission in allen Fragen rund um das Tierwohl beim Schwein und hat zentralen Einfluss darauf, wie und welche Standards Brüssel in diesem Bereich künftig setzt, und ganz wichtig, wie diese Standards dann kontrolliert werden sollen. Durch die hitzige Debatte zur Ferkelkastration ist ein anderes wichtiges Thema, die Gründung der Tierärztlichen Plattform für Tierschutz (TPT) im Januar, fast untergegangen