#Urteil: #EU-#Gericht #lehnt #Markenschutz für #Erfolgsfilm „#Fack #ju #Göhte“

Wichtiges Urteil

 

Bielefeld  – Wenn wir Deutsche auf jemanden stolz sind, dann ist es unser Johann Wolfgang von Goethe. Was für ein Genie! Es ist ungehörig, wenn man versucht, sich seiner für schnödes Geschäft zu bedienen – oder, schlimmer noch, ihn dafür zu verunglimpfen, wie es die Produzenten von „Fack ju Göhte“ planen.

Es ist nichts schrecklicher als ein Lehrer, der nicht mehr weiß, als die Schüler allenfalls wissen sollen.¨(Wilhelm Meisters Wanderjahre, 1821)

So ist es! In der Filmreihe „Fack ju Göhte“ wird diese Erkenntnis des Klassikers in seinem oft romantisch missverstandenen Werk offenbar. Keine Frage, es ist lustig, wie ein Nichtlehrer mit unwissenden Schülern umgeht und sie zu Lernerfolgen bringt. Aber auch wenn wir wissen, dass der Film satirisch überhöht, was an Schulen geschieht: So sind Lehrer nicht. Auch nicht, wenn man mit der Anspielung auf den Filmtitel den Alt-Meister für sich in Anspruch nimmt.

Genieße mäßig Füll und

Segen, Vernunft sei überall âEUR¨zugegen. (Gedichte, 1827)

Das möchte man der Firma Constantin zurufen, die sich die Markenrechte am Filmtitel sichern will. Nichts gegen den Geschäftssinn kluger Investoren. Dass sie einen Film schufen, der das Publikum begeistert und sie gut verdienen lässt – Respekt. Aber man erwartet Respekt vor dem Kultur- und Lebensgefühl der Menschen. So ist es richtig, dass die EU-Richter diesem Gewinnstreben Grenzen setzen.

Die Weltgeschichte sammelt auf unsre Kosten sehr große Schätze. (Briefe, 1812)

Immer wieder versuchen Manager, aus Allgemeingut ohne eigene Leistung Geld zu schlagen, indem sie Markenrechte für Allerweltsdinge reklamieren. Die Telekom zum Beispiel hat das mal mit einer – wie die Richter sagten: – „konturlosen Farbe“ wie Magenta versucht. Sie musste sie aber mit eigener Leistung als „Magenta Love“ zur Firmenmarke ausbauen, um sie schützenswert zu machen. So ist es recht! Bei der Begründung gegen „Fack ju Göhte“ indes stutzt man etwas. Als geschmacklose und vulgäre Beleidigung bezeichnen Europas Richter den Filmtitel. Das – mit Verlaub – macht das große Genie eher klein. Da wäre Goethe selbst milder geblieben:

Ich hör es gern, wenn auch âEUR¨die Jugend plappert; das Neue klingt, das Alte klappert. (Gedichte, Zahme Xenien, 1827)

Er ist und bleibt halt unser Goethe. Unser erhabener Goethe.

Quelle: Neue Westfälische, Thomas Seim