#Waffendebatte in den #USA: #Amerikas #Jugend erhebt sich!

Auslandsreport

Die Schüler von Parkland haben frischen Wind nach Washington gebracht. Ihr „Marsch für unser Leben“ geriet zu dem bewegenden Zeugnis einer Generation, die Leidtragende des Waffenwahns in den USA geworden sind. Sie sprechen mit der Autorität von Betroffenen, die gegen das Versagen und die Untätigkeit der Älteren rebelliert. Zu Recht. Seit dem Massaker an der „Columbine Highschool“ vor den Toren Denvers, 1999, erlebten 187 000 Schüler in 193 Schulen der USA Schießereien. Fast 200 kamen dabei ums Leben. Wenn man die Opfer von Waffengewalt außerhalb der Schulen und die Selbstmorde hinzurechnet, nimmt das Problem epidemische Ausmaße an. Das Morden von Parkland brachte das Fass zum Überlaufen. Angesichts der empörenden Unfähigkeit der Politik, etwas gegen die Waffengewalt zu tun, nimmt die „Generation Columbine“ die Dinge nun selber in die Hand. Ihre Leidenschaft mobilisierte einen der größten Proteste in der Geschichte der amerikanischen Hauptstadt. Und erinnerte an ein paar Wahrheiten, die eigentlich selbstverständlich sein sollten. Dass es nicht normal ist, von bewaffneten Lehrern unterrichtet zu werden, durch Metalldetektoren die Schulen zu betreten oder sich auf den Ernstfall bei einer Massenschießerei vorzubereiten. Ob die Massenproteste in Washington und 800 Städten weltweit als Frühjahrserwachen einer neuen Jugendbewegung oder Großereignis der Pop-Kultur in die Geschichte eingehen wird, lässt sich noch schwer abschätzen. Einerseits gibt es ein hohes Frustrations-Potenzial, das schnell zu Enttäuschungen und Ernüchterung führen kann. Tendieren die Aussichten auf ernsthafte Reformen der Waffengesetze doch gegen Null, solange der von der Waffenlobby mit 30 Millionen Dollar gesponserte Präsident im Weißen Haus sitzt. Im Kongress gibt es bis November republikanische Mehrheiten, die das Thema nicht einmal auf die Tagesordnung bringen. Egal, wie die Wahlen im November ausgehen, bräuchte es selbst bei einem Sieg der Demokraten in beiden Kammern eine doppelte Zweidrittel-Mehrheit in Senat und Repräsentantenhaus. Nur so kann das sichere Veto Donald Trumps gegen substanzielle Veränderungen der Waffengesetze überstimmt werden. Andererseits hat diese im Schatten des 11. September und Irak-Kriegs aufgewachsene Generation allen Grund aufzubegehren. Sie badet im Fall der Massenschießereien an Amerikas Schulen bereits die Konsequenzen einer politischen Kultur aus, in der die Kunst verlorengegangen ist, Kompromisse zu finden. Und steht vor immer höheren Bildungsschranken, die vielen den Besuch des Colleges unmöglich machen. Ihr gehören die „Dreamer“ genannten Einwandererkinder an, denen die Abschiebung in Länder droht, die sie nicht kennen. Aber auch die jungen Schwarzen der „Black Lives Matter“-Bewegung, die gegen Polizeigewalt und Rassismus mobilisieren. Diese jungen Amerikaner sind nicht zu beneiden für das, was die Generation ihrer Eltern ihnen hinterlassen hat. Inklusive der Wahl eines Präsidenten, dessen Politik einen Scherbenhaufen zurückzulassen droht. Es kann schon sein, dass aus dem Zusammenschluss der „Parkland-Kids“, „Dreamer“ und „Black Lives Matter“-Aktivisten eine breite Jugendprotestbewegung hervorgeht, die Washington herausfordert. Ändern wird sich letztlich aber nur etwas, wenn es den Schülern gelingt, ihren Protest in Wählerstimmen umzusetzen. Die Wahlbeteiligung der jungen Wähler bei Präsidentschafts- und Kongresswahlen hängt der älterer Amerikaner kontinuierlich hinterher. Demonstrieren ist gut, wählen gehen ist besser.

Mittelbayerische Zeitung