Was versteht man unter „Systemmobbing“?


By behoerdenstress13

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Autor: Steffen Meltzer

Vor kurzem hatte ich ein Telefonat, mit einem der bekanntesten Bücherautoren zum Thema „Mobbing“, der darüber hinaus studierter Psychologe ist. Wir kamen auf das „Systemmobbing“ zu sprechen, dessen Begrifflichkeit von Professor Dieter Zapf geprägt worden ist.

Was versteht man unter „Systemmobbing“?

Dazu erarbeiteten wir folgendes bildhaftes Beispiel*, selbstverständlich aus einem reinem wissenschaftlichen Interesse:

Ein Polizeibeamter hat vor einem Strafgericht gegen eine Kollegin ausgesagt. Diese wurde daraufhin verurteilt. Dass jeder Zeuge vor Gericht verpflichtet ist die Wahrheit auszusagen, also auch Vollzugsbeamte, möchte ich nur am Rande erwähnen.

Neben dem Ergebnis, dass es nunmehr eine Kollegin gab, deren weiße Weste grau bzw. eher schwarz war, bekam der korrekte Polizeibeamte in seinem Team, keinen Fuß mehr auf die Erde. Er wurde ab sofort geschnitten, ja er wurde gemobbt. Der Beamte spürte natürlich, dass er diese Verhaltensperversionen nicht jahrelang unbeschadet überstehen kann und beantragte die Versetzung. Diesem Wunsch wurde auch entsprochen, allerdings kam er in eine gänzlich andere Organisationseinheit, als es seinen Vorstellungen entsprach. Nur ganz nebenbei sei bemerkt, dass er ab sofort zusätzlich ca.100km Fahrtstrecke zurückzulegen hatte. Was für ein Zufall aber auch.

Bereits vor seinem dortigen Eintreffen scharrten einige auserwählte Vertraute des Vorgesetzten, in froher Erwartung mit den Füssen, da ja nun ein Anschwärzer und Kameradenschwein, zu ihnen versetzt werde. Der Chef hatte sein Team dahingehend mental eingestimmt, das nun ab sofort, ein „ganz schwieriger Kollege, der nicht Teamfähig sei“ hinzukommen würde. Die dafür vorgesehene Dienstberatung erfolgte natürlich in dessen Abwesenheit, versteht sich. Auch in dieser Truppe nahmen die Ungereimtheiten bald ihren erwarteten Lauf, auch hier wurde der Betroffene angegriffen, ausgegrenzt, Gerüchte wurden gestreut und eine verschlechterte Beurteilung des Vorgesetzten waren nur einige Folgen.

Das Motto war: „Du hast keine Chance, also nutze sie!“

So einfach kündigen? Geht schlecht, da dann alle Pensionsansprüche verloren gehen, denn auch der Studienabschluss ist faktisch auf ein offizielles Amt beschränkt.

Der Beamte stellte daraufhin einen neuen Versetzungsantrag, der aufgedrückte Stempel lautet stets: abgelehnt! Es folgten sechs weitere gleichartige Begehren, die ebenfalls alle, unter sichtbaren fadenscheinigen Gründen, abgeschmettert wurden. Unter anderen würde man auf diesen offenen Stellen zurzeit keinen Dienstposten benötigen oder die Qualifikation würde (angeblich) „nicht passen“. Auch „fürsorgliche Gründe“ wurden angeführt, was immer das auch konkret zu bedeuten hatte. Jeder im Haus wusste, dass das vorgeschobene Ausflüchte waren. Auch die sogenannte Mobbingbeauftragte, als Rädchen im System, spielte foul, natürlich gegen den Beamten.

Das Spiel hieß: Schwarzer Peter – und raus bist Du!

Der Beamte schrieb als letzten Versuch, eine Dienstaufsichtsbeschwerde an eine „höhere Stelle“ im Innenministerium. Das Ergebnis? Überraschung! Natürlich alles abgestritten! Von nun an wurde der Beamte endgültig als “psychisch gestört” einkategorisiert. Erst einmal nur „halboffiziell“ hinter der vorgehaltenen Hand. Schließlich hätten alle “Ermittlungen” ergeben, dass an den Beschwerdegründen nichts dran war.

Die Situation wurde immer auswegloser. Der PHK, der dreißig Jahre in einem tadellosen Dienst seinem Land gedient hatte, verließen langsam aber sicher, die psychischen Kräfte. Bald stellten sich ebenso vegetative Gesundheitsbeschwerden ein. Es kam was kommen musste: die Flucht ins Dauerkrank als letzte verbleibende Möglichkeit sich und seine Gesundheit zu schützen.

Nur zur Erinnerung:

Was ist ein Ziel von Mobbing? Man zwingt jemanden zu einem psychiatrischen Gutachten.

Und was ist das Ziel von Mobbing? Ja klar, der Ausschluss aus dem Arbeitsprozess! (Stufe 4) Macht ja sonst auch keinen Sinn, der ganze Aufwand.

Auf die Erkrankung schien seine Dienststelle nur gewartet zu haben, er bekam eine Vorladung zum Amtsarzt, dieser verwies ihn an einen Psychologen, der ein „Gutachten“ erstellte. Es war eines der angeordneten Gefälligkeitsgutachten, das dem Behördenleiter „bewies“, dass der Beamte nicht mehr in der Lage war, seinen Aufgaben nachzukommen. Das war der erwartete Punkt auf dem „I“, man rieb sich die Hände. Schließlich hatte man lange und hart darauf hingearbeitet, um den Querulanten zu beseitigen. Es erfolgte schlussendlich die finale Zwangspensionierung. Oder soll man sagen, er wurde entsorgt? Vielleicht wie ein Wegwerfartikel?

Das System im System

…wird man nirgends nachlesen können. Es gibt kein Gesetz, keine Hausordnung oder Dienstvereinbarung, wo dieses System beschrieben ist.

Wenn alle Beteiligten einer Behörde/eines Unternehmens zusammenspielen, weil jeder etwas Dreck am Stecken hat, dann spricht man von einem „Systemmobbing“. Mit „System“ ist also keineswegs ein Staat, gar die EU oder ein Rechtssystem gemeint. Gemeint ist vielmehr der subjektive Faktor “Mensch”. Die Beteiligten können dann folgende Akteure einer bestimmten Organisation sein:

  • Mobber/Täter
  • Wegseher/Mitläufer
  • sogenannte Mobbing- u.a. “Beauftragte”
  • Vorgesetzte
  • Verwaltung
  • Dienststellen/Unternehmensleiter
  • Weitere übergeordnete Stellen
  • nicht zu vergessen: das Opfer

Ein Subsystem im System ist geboren, dass sich verselbstständigt hat

Straffe Hierarchien begünstigen diese unerwünschte “Systemmissgeburt”, ebenso wie Mobbingbeauftragte, die innerhalb dieses begrenzten Systems, also in der eigenen Dienststelle/ dem Unternehmen, “ermitteln” und nachweislich Weisungen von ihrem eigenen Leiter Folge zu leisten haben.

Es ist ein eigenständiges System was Menschen krank und kaputt machen kann. Aber auch nur, wenn niemand eingreift und es laufen lässt. Denn nach außen hin funktionieren alle. Denn dabei verlieren zum Schluss alle: Menschen, die Organisation und die Gesellschaft.

Alle ziehen einträchtig an einem (systematischen) Strang innerhalb einer festgelegten Hierarchie, da früher oder später jeder beteiligt ist und etwas zu verbergen hat. Diese Personen bemühen sich, untereinander vernetzt zu sein, um sich ständig auf “dem Laufenden” zu halten. Nicht weil man sich mag, sondern weil es für das eigene Überleben in der ganz eigenen Welt der Erfolgsmeldungen und Jubelarien erforderlich geworden ist.

Die drei häufigsten Branchen mit Mobbing in Deutschland

  • Gesundheitswesen und Soziales (7-faches Risiko)
  • Bildung und Erziehung (3,5-fach)
  • Öffentlicher Dienst (3-fach)

Alles klar?!

*Beispiel ist erfunden, Ähnlichkeiten mit der Realität sind rein zufällig.

Link/Quelle:

http://www.steffen-meltzer.de/was-ist-ein-systemmobbing/

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