Zentralrat der Jesiden: Noch 1000 Frauen in IS-Gefangenschaft!

IS-Gefangenschaft

Terror
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Irfan Ortac, Vorsitzender des Zentralrates der Jesiden in Deutschland, freut sich „ganz besonders“ über den Friedensnobelpreis für Nobelpreises an Nadia Murad, weil dadurch der Fokus wieder auf die Jesidinnen gelenkt wird, die sich immer noch in der Gefangenschaft des IS befänden. Ortac sagte der „Heilbronner Stimme“ (Samstag): „Nadia hat diesen Preis mehr als andere verdient. Seit vier Jahren ist sie unermüdlich unterwegs, um auf das Schicksal der Jesiden und anderer Opfer des IS hinzuweisen.“ Ortac stellte zudem im Interview einen dreistufigen Masterplan vor, der die Rückkehr von Jesiden in ihre Heimat ermöglichen soll.

Er sagte: „Es sind immer noch etwa 1000 Frauen in den Händen des IS – so, wie es Nadia Murad war. Sie werden versklavt und missbraucht. Insgesamt sind noch knapp 2600 Jesiden verschollen.“

Ortac sagte weiter: „Wir haben Kontakt zu Jesiden, die in Syrien in IS-Gefangenschaft sind. Sie berichten wiederum, dass sie Kontakt zu Gefangenen im Irak haben. Auch dort hält der IS noch Stellungen und bildet unsere jungen Männer, die jetzt 17 oder 18 Jahre alt sind, und noch Kinder waren, als sie entführt wurden, zu Selbstmordattentätern aus.“

Der IS stelle immer noch eine Bedrohung dar. „Mancher sagt, der IS sei geschlagen. Aber dem ist nicht so. Der IS ist zurückgedrängt, aber nicht besiegt.“

Zur Frage, ob Jesiden in ihre Heimat zurückkehren können, sagte Ortac: „Wir hoffen sehr, dass Jesiden ihre Heimat wieder aufbauen können. Dazu brauchen wir eine Art Masterplan und bieten dazu als Zentralrat der Eziden in Deutschland (ZED) auch sehr gerne unsere Expertise an.“

Ortac nennt in seinem Masterplan drei Voraussetzungen für eine Rückkehr: „Vor allem drei Voraussetzungen müssten geschaffen werden: 1. Sicherheit. Die Menschen müssten sich wieder sicher fühlen können. Zurzeit herrschen in der Region schiitische Milizen. Das bietet kein Gefühl von Sicherheit für die Jesiden. Jesiden müssten die Sicherheitsstruktur mit ausländischer Hilfe selber aufbauen. Jesiden müssten für die Sicherheit von Jesiden zuständig sein. 2. Der Wiederaufbau müsste zusammen mit Jesiden geleistet werden, mit jesidischen Handwerkern, Dienstleistern. Entwicklungshilfe darf nicht in Projekten in den Lagern versickern. Jesiden waren in ihrer Heimat überwiegend Landwirte. Dazu gab es natürlich viele Gewerke und Dienstleistungen. Im Moment fließen zwar Hilfsgelder, Schulen werden renoviert, aber die Aufträge gehen an andere, an Kurden zum Beispiel. Nun sind die Schulen zwar wieder nutzbar, aber es fehlt an Lehrern – auch wegen der unsicheren Lage dort. 3. Wenn es möglich wäre, einen Lohn zu erwirtschaften, der den Lebensunterhalt gewährleistet, dann kämen sicher viele wieder zurück.“

 

Heilbronner Stimme