Ein unerwarteter Besuch sorgt für Aufsehen: Am frühen Donnerstagmorgen klingelten Polizeibeamte an der Haustür des Publizisten und ehemaligen Präsidenten des Deutschen Lehrerverbandes Josef Kraus. Der Diplom-Psychologe und frühere Schulleiter berichtet, dass zwei Beamte ihn zu Hause aufgesucht hätten, um seine Identität zu überprüfen. Hintergrund sei ein mehrere Monate alter Artikel auf der Plattform Tichys Einblick. Anlass der polizeilichen Nachfrage: eine Anzeige des Mitglieds des Rundfunkrats des Bayerischer Rundfunk, Hamado Dipama. Laut Kraus hätten die Beamten wissen wollen, ob er der Autor eines Beitrags sei, der sich kritisch mit Dipama beschäftigt. Kraus bestätigte die Autorenschaft, machte jedoch nach eigenen Angaben keine weiteren Angaben zur Sache.
Der Autor erklärte später, dass er zwar ein Aktenzeichen erhalten habe, den genauen Inhalt des polizeilichen Auftrags jedoch nicht einsehen durfte. Die Anzeige gehe nach seinen Angaben darauf zurück, dass sich Dipama durch den veröffentlichten Beitrag diskriminiert oder diffamiert fühle. Kraus betonte, er habe den Beamten lediglich bestätigt, dass er den Artikel geschrieben habe, darüber hinaus jedoch keine Stellungnahme abgegeben. Er gehe nun davon aus, über seinen Anwalt Akteneinsicht zu beantragen, um zu erfahren, welche konkreten Vorwürfe gegen ihn erhoben werden.
Der Auslöser der Anzeige liegt offenbar in einem Artikel, den Kraus im Herbst des vergangenen Jahres veröffentlichte. In dem Beitrag beschäftigte er sich mit der Rolle von Dipama im Rundfunkrat des Bayerischen Rundfunks und bezeichnete ihn unter anderem als „Asylindustrie-Multifunktionär“ sowie als Sprecher einer Flüchtlingslobby. Außerdem schrieb er, Dipama sei ein mehrfach abgelehnter Asylbewerber mit Sympathien für das Militärregime in Burkina Faso. Welche konkreten Formulierungen letztlich Gegenstand der Anzeige sind, blieb zunächst unklar. Auch andere Medien griffen den Namen Dipama in der Vergangenheit auf. So berichtete etwa Apollo News im Zusammenhang mit der Absetzung der Journalistin Julia Ruhs über Äußerungen Dipamas, der damals erklärte, rechte Einflüsse im öffentlich-rechtlichen Rundfunk müssten gestoppt werden. Gleichzeitig wurde berichtet, dass Dipama in München mehrfach Diskotheken aufgesucht habe, um mögliche Diskriminierung an Clubtüren zu testen – und anschließend juristisch dagegen vorzugehen. Der aktuelle Polizeibesuch bei Kraus sorgt nun erneut für eine hitzige Debatte über Meinungsfreiheit, Medienkritik und den Umgang mit politischen Konflikten im Umfeld des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.
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