Fast jeder Dritte ohne Job? Dieses Szenario hat Digitalexperte Sascha Lobo im Podcast „RONZHEIMER“ ins Spiel gebracht – für den Fall, dass Deutschland die KI-Revolution verschläft. Doch wer genau hinhört, merkt: Lobo spricht von einer Möglichkeit, nicht von einer Prognose.
„Das ist eine Möglichkeit“
Im Gespräch mit Paul Ronzheimer sagte Lobo laut BILD, Deutschland sei geradezu dazu verdammt, die große KI-Transformation zu schaffen. Denn er wolle das Land nicht mit 30 Prozent Arbeitslosen erleben. Auf die Nachfrage, ob ein solches Szenario realistisch sei, antwortete er: „Das ist eine Möglichkeit.“ Sie werde umso wahrscheinlicher, je weniger KI hierzulande sinnvoll eingesetzt werde.
Keine Massenarbeitslosigkeit – aber weniger Topgehälter
Wichtig für die Einordnung: Eine flächendeckende Welle der Arbeitslosigkeit erwartet Lobo nach eigenen Worten nicht. Für wahrscheinlicher hält er laut BILD eine andere Entwicklung: deutlich weniger gut bezahlte Jobs und dafür mehr Menschen, die weniger verdienen.
„Nichtschwimmerbecken der Welt“
Scharfe Kritik übt der 51-Jährige an der Vorsicht deutscher Investoren. Beim Thema Investitionen sei Deutschland „das Nichtschwimmerbecken der Welt“, so Lobo. Wohlhabende steckten nach seiner Darstellung 97 Prozent ihres Geldes in Immobilien – er spricht von einer „absurden Sicherheitsfixierung“.
Hinzu kämen zu viel Bürokratie und Überregulierung. An Wissen mangele es dagegen nicht: Die deutsche KI-Forschung zähle in einzelnen Bereichen zu den besten drei der Welt. Über Jahrzehnte sei es aber nicht gelungen, gute Leute im Land zu halten und zu Gründern zu machen – das schade auf Dauer auch der Forschung.
Vorwurf: „Erfolgsfeindlichkeit“
Ein Grundproblem sieht Lobo in der Haltung gegenüber Unternehmern. In Deutschland gebe es eine „ausgeprägte Erfolgsfeindlichkeit“, erfolgreiche Unternehmer würden mit Argwohn und Ablehnung betrachtet. Die digitale Lage in Deutschland und Europa nennt er „überreguliert, fehlreguliert“. Mit Datenschutz- und KI-Regeln habe man jungen Firmen viele Steine in den Weg gelegt – und zwar absichtlich, so Lobo.
Der Vergleich mit China
Wie groß der Rückstand aus seiner Sicht ist, macht Lobo an der Bildung fest: In China gebe es seit 2018 an High Schools ein verpflichtendes Schulfach Künstliche Intelligenz. In Deutschland dagegen werde – so seine spitze Formulierung – darüber diskutiert, ob Kinder unter 27 überhaupt in die Nähe eines Smartphones dürfen.
Unsere Einordnung
Kommentar: Die 30 Prozent sind kein Prognosewert, sondern ein Warnszenario, das Lobo selbst nicht für das wahrscheinlichste hält. Die eigentliche Botschaft ist eine andere: Wer KI nur reguliert, aber nicht nutzt, riskiert am Ende vor allem gut bezahlte Jobs. Für ein Land, in dem schon der Bauantrag für den Gartenschuppen zur Geduldsprobe werden kann, ist das eine ziemlich unbequeme Diagnose.
Quelle: BILD – „Sascha Lobo warnt vor 30 Prozent Arbeitslosen bei falschem Umgang mit KI“ (Aussagen aus dem Podcast „RONZHEIMER“)
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