Tech-Riese Unimicron schließt deutsches Werk

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Aus für einen Traditionsstandort am Niederrhein: Der taiwanische Leiterplattenhersteller Unimicron schließt sein Werk in Geldern (NRW). Rund 240 Beschäftigte sind betroffen – und das, obwohl der Mutterkonzern laut BILD kräftige Gewinne schreibt.

Freiwillige Liquidation – keine Insolvenz

Laut einer Pressemitteilung der Unimicron Germany GmbH hat die Gesellschafterin am 27. Oktober beschlossen, das Unternehmen zum 1. November 2026 aufzulösen und im Wege einer freiwilligen Liquidation abzuwickeln. Ausdrücklich betont die Firma: Es handelt sich nicht um ein Insolvenzverfahren. Zum Liquidator wurde Nick Piepenburg bestellt.

Als Gründe nennt das Unternehmen anhaltende Verluste und ein weiterhin schwieriges Marktumfeld. Die Unternehmensgruppe habe den Standort über mehrere Jahre finanziell unterstützt. Verschiedene Möglichkeiten zur Fortführung seien geprüft worden, eine wirtschaftlich tragfähige Lösung habe sich aber nicht gefunden. In der Börsenmitteilung des Mutterkonzerns in Taiwan ist laut Fachportal all-electronics zudem von Konzernplanung und dem Ziel die Rede, Betriebskosten zu senken.

Produktion endet 2027

Ganz abrupt ist das Aus nicht. Laut Unternehmen wird der Betrieb geordnet heruntergefahren, bestehende Aufträge und Lieferverpflichtungen werden noch abgearbeitet. Neue Aufträge nimmt Unimicron nach Berichten von Antenne Niederrhein nicht mehr an. Nach derzeitiger Planung soll die Produktion im Laufe des ersten Halbjahres 2027 schrittweise eingestellt werden. Hergestellt werden in Geldern Hightech-Leiterplatten, laut BILD unter anderem für Automobilzulieferer.

Der Betriebsrat ist informiert, nun sollen Verhandlungen über einen Interessenausgleich und einen Sozialplan beginnen. Betroffen sind laut Unternehmen alle Beschäftigten des Standorts.

35 Millionen Euro für die Abwicklung

Für die geordnete Schließung will der Mutterkonzern laut Börsenmitteilung rund 35 Millionen Euro bereitstellen. Das Geld soll nach Angaben von all-electronics und Dr. Web unter anderem für laufende Aufträge, Abfindungen sowie die Rückzahlung von Bank- und Konzerndarlehen verwendet werden. Wie hoch die Abfindungen ausfallen, ist bislang nicht bekannt. Weil keine Insolvenz vorliegt, gibt es laut Dr. Web auch kein Insolvenzgeld von der Arbeitsagentur.

Mutterkonzern verdient Millionen

Besonders bitter aus Sicht der Belegschaft: Der Mutterkonzern Unimicron Technology Corp. erzielte laut BILD, die sich auf das Portal „MarketScreener“ beruft, in den ersten neun Monaten 2026 einen Nettogewinn von umgerechnet rund 775 Millionen Euro. Laut Dr. Web bestellte der Konzern am selben Tag, an dem die Schließung beschlossen wurde, Anlagen für neue Fabriken im Wert von umgerechnet rund 1,4 Milliarden Euro.

Schock in Geldern

In der rund 36.000 Einwohner zählenden Stadt sitzt der Schock tief. Bürgermeister Sven Kaiser sagte BILD, die Nachricht treffe die Stadt sehr und sei vor allem für die rund 240 Beschäftigten ein schwerer Schlag – für sie gehe es um Arbeitsplatz, Sicherheit und ihre persönliche Zukunft.

Mit der Schließung endet eine lange Industriegeschichte. Die Wurzeln des Werks reichen laut BILD bis zur Firma Ruwel zurück, die 1951 an den heutigen Standort zog. Nach der Ruwel-Insolvenz 2009 stieg Unimicron ein und übernahm das Unternehmen später vollständig.

Kommentar: Hunderte Millionen Gewinn in Taiwan, Milliardeninvestitionen in neue Fabriken – und in Geldern gehen die Lichter aus. Für die Beschäftigten dürfte das schwer zu verstehen sein, auch wenn der Konzern auf jahrelange Verluste am deutschen Standort verweist.

Quellen: BILD – „Tech-Riese schließt deutsches Werk“, Pressemitteilung der Unimicron Germany GmbH, all-electronics, Antenne Niederrhein, Dr. Web

Quelle des Wissens quelle-des-wissens.de
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