Fast zehn Jahre nach dem Terroranschlag auf den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz bringt die ARD den Fall als Thriller-Serie ins Fernsehen. „Breitscheidplatz 19/12“ erzählt nicht die Tat selbst nach, sondern die Monate davor – und stellt die Frage, die viele bis heute umtreibt: Hätte der Attentäter rechtzeitig gestoppt werden können?
Der Anschlag vom 19. Dezember 2016
Am Abend des 19. Dezember 2016 fuhr der Islamist Anis Amri mit einem gekaperten Sattelzug über den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche. Zuvor hatte er den Fahrer des Lkw erschossen. Auf dem Markt starben elf Menschen, berichten unter anderem SPIEGEL und Berliner Zeitung. Ein Ersthelfer, der damals schwer am Kopf verletzt wurde, starb 2021 an den Spätfolgen; der Berliner Senat zählt ihn als 13. Todesopfer. Laut BILD wurden rund 70 Menschen teils schwer verletzt. Amri wurde wenige Tage später auf der Flucht in Italien von der Polizei erschossen. Der Anschlag gilt als der bislang schwerste islamistische Angriff in Deutschland.
Worum geht es in der Serie?
Laut ARD und ARD Degeto setzt die sechsteilige Serie im Jahr 2015 an, als der „Islamische Staat“ Kämpfer für den Krieg in Syrien rekrutiert. Der nordrhein-westfälische Staatsschützer Frank Laudin (Albrecht Schuch) schleust den Ex-Kriminellen Murat Cem (Tamer Trasoglu) als bezahlten Informanten ins IS-Milieu ein. Dort trifft Cem auf Anis Amri (Wael Alkhatib), den er für einen typischen künftigen Attentäter hält. Die junge Polizistin Isra (Bayan Layla) geht seinen Hinweisen nach – doch der BKA-Experte Heyse (Hanno Koffler) hält Amri für einen „kleinen Fisch“. Im Gestrüpp aus Zuständigkeiten und Rivalitäten fällt Amri durchs Raster.
Die ARD betont, dass es sich um eine fiktionale Serie handelt, die reale Begebenheiten mit einer Thrillerhandlung verbindet. Weitere Rollen spielen unter anderem Jeanne Goursaud und Bernd Hölscher. Regie führte David Nawrath, der das Drehbuch mit David Marian schrieb. Produziert wurde die Serie von NEUESUPER für ARD Degeto, rbb, NDR und HR; gedreht wurde laut ARD in Wien und Berlin.
Wann und wo läuft „Breitscheidplatz 19/12“?
- ARD Mediathek: alle sechs Folgen seit Freitag, 30. Oktober 2026
- Das Erste: Folge 1 und 2 am Sonntag, 1. November 2026, ab 21:45 Uhr
- Das Erste: Folge 3 bis 6 am Freitag, 6. November 2026, ab 23:55 Uhr
So urteilt BILD
BILD ist von der Serie begeistert: Sie sei „unglaublich intensiv“, spannend und eine der besten TV-Produktionen des Jahres, urteilt das Blatt. Im Mittelpunkt stehe das Versagen der Behörden – unklare Zuständigkeiten, Personalmangel, Rivalitäten und Fehleinschätzungen. Erzählt werde vor allem aus Sicht der Ermittler und des Informanten, die Handlung ende ein halbes Jahr nach dem Anschlag. BILD nennt die Serie „notwendig“.
Nach BILD-Informationen wurde die Serie im Oktober in Berlin den Angehörigen der Opfer vorgeführt; viele von ihnen hätten sich für das Projekt bedankt. ARD-Programmdirektorin Christine Strobl sagte BILD, der Anschlag gehöre zur gemeinsamen Erinnerung des Landes; fiktionales Erzählen könne helfen, Geschichte greifbar zu machen. Darstellerin Bayan Layla schilderte BILD, sie fürchte nach Anschlägen oft eine Pauschalisierung gegenüber Migrantinnen und Migranten – und habe bei der Recherche erfahren, dass mehrere Opfer wie sie nur zu Besuch in Berlin gewesen seien.
Quellen: BILD, ARD-Pressemitteilung, ARD Degeto, ARD Mediathek, SPIEGEL, Berliner Zeitung
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