Ein seltener Fall von Zusammenarbeit zwischen Washington und Moskau: Nach einer Terrorwarnung aus den USA hat der russische Inlandsgeheimdienst FSB nach eigenen Angaben einen Minderjährigen in Moskau festgenommen. Er soll einen Anschlag auf eine beliebte Park- und Schlossanlage im Süden der Stadt angedroht haben.
Die Warnung der US-Botschaft
Am Samstag hatte die US-Botschaft in Moskau eine Sicherheitswarnung für das Museumsreservat Zarizyno veröffentlicht. Man wisse von einer „glaubwürdigen Bedrohung“ durch ein Ereignis mit potenziell vielen Opfern, hieß es laut Reuters, AFP und Al Jazeera. Die Botschaft rief dazu auf, das Gebiet zu meiden, und erklärte, die US-Regierung stimme sich mit den russischen Behörden ab. Wer hinter der Bedrohung steckte, sagte sie nicht. Auch die deutsche Botschaft warnte laut BILD in einem Rundschreiben vor einem Besuch.
Die Anlage wurde am Samstag vorübergehend geschlossen, berichtet die russische Agentur RIA laut Reuters. Kulturveranstaltungen wurden nach Angaben des FSB abgesagt und die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt.
Was der FSB behauptet
Am Sonntag teilte der FSB laut der Staatsagentur TASS mit, er habe Informationen von US-Strafverfolgungsbehörden zu Anschlagsvorbereitungen überprüft – gemeinsam mit Nationalgarde, Innenministerium und Ermittlungskomitee. Dabei sei ein minderjähriger russischer Staatsbürger festgenommen worden. Nach FSB-Angaben hatte er auf Tiktok Fotos von sich in taktischer Kleidung mit Sturmhaube und einem Gegenstand gepostet, der einer automatischen Waffe ähnelt, dazu Bilder aus Zarizyno mit der Zeile „Ich habe einen Ort gefunden“.
In seiner Wohnung seien die Kleidungsstücke gefunden worden, auf seinen Geräten laut FSB ein Abo eines neonazistischen Telegram-Kanals sowie zahlreiche Suchanfragen zu Terroranschlägen und Massenmorden. Das Ermittlungskomitee prüft laut Al Jazeera nun rechtliche Schritte. „Wir danken der amerikanischen Seite für die bereitgestellten Informationen“, erklärte der FSB.
Wichtig: Diese Angaben stammen ausschließlich von russischen Behörden und lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Der Jugendliche wurde nicht namentlich genannt; ob er tatsächlich einen Anschlag plante, ist nicht gerichtlich geklärt. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Hat Putin persönlich gehandelt?
Nach den vorliegenden Berichten nein: Festgenommen hat der FSB, ein Auftrag oder eine Äußerung Putins zu dem Fall wird in keiner der Quellen erwähnt. Die Überschrift ist also im übertragenen Sinne zu verstehen – der FSB ist Putins Inlandsgeheimdienst. Auch die US-Seite hat bislang nur ihre öffentliche Warnung und die Abstimmung mit Moskau bestätigt; dass der Hinweis konkret zu dieser Festnahme führte, sagt bislang nur der FSB.
Nicht die erste Warnung
Die USA haben Russland schon früher vor Anschlägen gewarnt, berichten AFP und Al Jazeera – etwa im März 2024, wenige Wochen vor dem Angriff eines Ablegers der Terrormiliz IS auf die Konzerthalle Crocus City Hall bei Moskau, bei dem mehr als 140 Menschen starben.
Quellen: BILD, TASS (FSB-Mitteilung), Reuters/NBC News, AFP, Al Jazeera
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