Polen: Erstmals Mehrheit gegen Aufnahme ukrainischer Flüchtlinge

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2022 öffneten die Polen Geflüchteten aus der Ukraine ihre Türen wie kaum ein anderes Land. Vier Jahre später hat sich die Stimmung deutlich verändert: Laut einer Umfrage des polnischen Meinungsforschungsinstituts CBOS lehnt erstmals eine Mehrheit die Aufnahme ukrainischer Flüchtlinge ab. Die Berliner Zeitung beschreibt, wie Ukrainer in Polen zunehmend auf Ablehnung stoßen.

Die Zahlen: Von 94 auf 42 Prozent

Nach der CBOS-Erhebung vom 2. bis 12. Juli 2026 (938 Befragte) sprachen sich 52 Prozent dagegen aus, dass Polen Flüchtlinge aus der Ukraine aufnimmt – sechs Punkte mehr als im Dezember 2025. Nur noch 42 Prozent waren dafür. Es ist laut CBOS das erste Mal seit Beginn der Messungen nach der Krim-Annexion 2014, dass die Gegner überwiegen. Kurz nach dem russischen Großangriff Anfang 2022 hatte die Zustimmung noch bei 94 Prozent gelegen; ab Mitte 2023 begann sie laut CBOS deutlich zu sinken.

54 Prozent halten die Hilfe für ukrainische Geflüchtete laut derselben Umfrage für zu groß, 40 Prozent für angemessen. Zugleich zeigt CBOS: Die Akzeptanz im Alltag ist zwar gesunken, aber weiter hoch. 83 Prozent hätten nichts gegen Ukrainer als Arbeitskollegen, 82 Prozent als Nachbarn – jeweils deutlich weniger als 2023. Die Ablehnung der Aufnahme ist laut CBOS auf dem Land, bei Menschen mit niedrigerem Einkommen und Bildungsabschluss sowie bei rechts orientierten Befragten stärker ausgeprägt.

Weniger Leistungen, strengere Regeln

Parallel hat Polen seine Hilfen zurückgefahren. Im September 2025 unterschrieb Präsident Karol Nawrocki laut Notes from Poland ein Gesetz, das Familienleistungen wie das Kindergeld „800+“ für Ausländer daran knüpft, dass Erwachsene erwerbstätig sind und die Kinder in Polen zur Schule gehen. Zuvor hatte er eine Verlängerung der Hilfen zu den alten Bedingungen per Veto gestoppt. Seit dem 5. März 2026 läuft laut der EU-Asylagentur EUAA zudem das Sonderrecht für Ukrainer schrittweise aus: Kostenlose Gesundheitsversorgung gibt es für Unversicherte nur noch in Ausnahmefällen, Gemeinschaftsunterkünfte meist nur noch 60 Tage. Der vorübergehende Schutz gilt demnach bis 4. März 2027. Nawrocki begründete die Linie laut dem ukrainischen Portal NV damit, die „grundlegende Fairness“ gegenüber Polen wiederherzustellen.

Rauerer Ton in Politik und Alltag

Laut AP nahm die anti-ukrainische Stimmung nach Einschätzung von Forschern vor allem im Präsidentschaftswahlkampf 2025 zu, als das Thema für viele Parteien zum Wahlkampfthema wurde. Die größte Oppositionspartei PiS forderte im August laut Notes from Poland, ukrainische Männer im wehrpflichtigen Alter ohne legale Arbeit abzuschieben – Regierungsvertreter nannten das „absurd“. Zugleich berichtet Notes from Poland von einer Zunahme gemeldeter Hassverbrechen gegen Ukrainer. Die Berliner Zeitung zeigt ein Banner in Krakau mit der Aufschrift „Eindringlinge nicht willkommen“.

Wichtig für die Einordnung: Die Umfragen beschreiben eine Stimmungsverschiebung, nicht „die Polen“ insgesamt. Nach Angaben von Notes from Poland leben weiterhin knapp eine Million ukrainische Geflüchtete im Land, die Mehrheit der Polen akzeptiert sie laut CBOS weiterhin als Nachbarn und Kollegen.

Hinweis: Der Artikel der Berliner Zeitung steht hinter einer Bezahlschranke; frei zugänglich waren nur Einleitung und Bildunterschriften. Die Fakten in diesem Beitrag stammen überwiegend aus den unten genannten weiteren Quellen.

Quellen: Berliner Zeitung, CBOS (Juli 2026), Notes from Poland (Sept. 2025), Notes from Poland (Aug. 2026), EUAA, AP, NV

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