Feuertonnen vor dem Werkstor, Arbeitsniederlegung um Mitternacht: In der deutschen Metall- und Elektroindustrie haben in der Nacht zum Sonntag die ersten Warnstreiks begonnen. Die IG Metall will damit in den Tarifverhandlungen für rund 3,7 Millionen Beschäftigte den Druck erhöhen, wie BILD und tagesschau.de berichten.
Start direkt nach Ende der Friedenspflicht
Unmittelbar nach Ablauf der Friedenspflicht um Mitternacht legte laut BILD unter anderem die Nachtschicht beim Weißblechhersteller Thyssenkrupp Rasselstein in Andernach (Rheinland-Pfalz) vorübergehend die Arbeit nieder; rund 300 Beschäftigte versammelten sich vor dem Werkstor. Weitere Aktionen gab es nach Angaben von BILD und tagesschau.de beim Mobilfunkzulieferer RF360 in München und beim Autozulieferer KSM Castings in Hildesheim.
In der kommenden Woche sollen die Proteste auf das ganze Bundesgebiet ausgeweitet werden. Laut IG Metall sind bis Ende der Woche Warnstreiks in mehr als 2000 Betrieben geplant. Betroffen sind zentrale Branchen wie Autoindustrie, Maschinenbau, Elektro und Metallerzeugung.
Das fordert die IG Metall
Die Gewerkschaft verlangt laut tagesschau.de fünf Prozent mehr Geld für Beschäftigte und Auszubildende bei einer Laufzeit von zwölf Monaten, dazu eine soziale Komponente für niedrigere Entgeltgruppen, eine Gewinnbeteiligung in wirtschaftlich erfolgreichen Unternehmen und die Sicherung von Arbeitsplätzen und Standorten.
IG-Metall-Chefin Christiane Benner sagte laut Pressemitteilung der Gewerkschaft, das „sogenannte Angebot“ der Arbeitgeber provoziere in den Betrieben nur Unverständnis und Wut. Die Arbeitgeber wollten den Menschen im Ergebnis Geld wegnehmen. Jörg Köhlinger, Bezirksleiter der IG Metall Mitte, sprach laut BILD in Andernach von einem „Minus-Angebot“ und nannte den Mitternachtsstreik den Auftakt einer massiven Warnstreikphase.
Das bieten die Arbeitgeber
Die Arbeitgeberverbände haben laut tagesschau.de unter Berufung auf den Dachverband Gesamtmetall angeboten: eine Einmalzahlung von einem Prozent des Jahresbruttoentgelts im Juli 2027 – in Baden-Württemberg etwa 700 Euro – und eine dauerhafte Erhöhung um 1,3 Prozent ab Juli 2028, bei einer Laufzeit bis Ende 2028. Die Einmalzahlung soll nach IG-Metall-Angaben von der wirtschaftlichen Lage des Betriebs abhängen können.
Gesamtmetall-Präsident Udo Dinglreiter begründete das Angebot laut tagesschau.de mit der Lage der Industrie: Man müsse die fortschreitende Deindustrialisierung und den inzwischen dramatischen Verlust von Arbeitsplätzen stoppen. Südwestmetall-Verhandlungsführer Peter Sebastian Krause sprach von einem fairen und fein austarierten Vorschlag, der in der größten Strukturkrise seit Gründung der Bundesrepublik eine Lohnerhöhung ermögliche. Laut BILD verweisen die Arbeitgeber auf die schwierige wirtschaftliche Lage und hohe Kosten.
Zudem knüpfen die Arbeitgeber ihr Angebot laut tagesschau.de an Bedingungen – etwa mehr Sonderregeln für schwächere Betriebe sowie Gespräche über hohe Krankenstände und den schnelleren Einsatz Künstlicher Intelligenz.
Wie geht es weiter?
Zwei Verhandlungsrunden sind ohne Einigung zu Ende gegangen. Termine für eine dritte Runde sind laut IG Metall in Planung. Verhandelt wird regional in den Tarifgebieten.
Kommentar: Fünf Prozent auf der einen Seite, 1,3 Prozent erst ab Juli 2028 plus Einmalzahlung auf der anderen – da liegen nicht nur Zahlen, sondern ganze Weltbilder dazwischen. Für die Beschäftigten bedeutet das jetzt erst einmal kalte Nächte an der Feuertonne.
Quellen: BILD, tagesschau.de – Warnstreiks angelaufen, tagesschau.de – IG Metall lehnt Angebot ab, Pressemitteilung IG Metall, IG Metall – Tarifrunde 2026
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